Sonntag, 2. November 2014

Der neue Bildungsplan-Entwurf und die erotischen Phantasien einiger KritikerInnen

Am 18.10.2014, einem Sonntagnachmittag, sind in Stuttgart unter dem Motto "Ehe und Familie vor" nach Polizeiangaben rund 1.200 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung zu demonstrieren. Seit Februar 2014 war es bereits die fünfte Demonstration gegen den Bildungsplan.

Frau Sibylle (Berg) schreibt in ihrer Kolumne in SPIEGEL-Online dazu:
"[...] die Demonstranten zogen vor allem gegen den Bildungsplan der baden-württembergischen Landesregierung auf die Straße. Es ist nachvollziehbar, dass Eltern mitbestimmen möchten, welche Werte ihren Kindern in der Schule vermittelt werden. Ein Bildungsplan muss mit den Grundwerten der Demokratie vereinbar sein. Das spräche unbedingt dafür, den Begriff der Familie, der in Schulen vermittelt wird, zu öffnen [...]."
Ja.

Im Entwurf des Bildungsplans sieht das in Baden-Württemberg konkret so aus: 

Homosexualität im Bildungsplan – Beispiel Familienvielfalt (Gymnasium, Klassenstufe 8)
Bildungsplan 2004 (derzeit gültig)
Gymnasien, Klassenstufe 8,
Themenfeld „Kinder und Jugendliche in Familie und Gesellschaft“
„Die Schülerinnen und Schüler können Lebensformen in unserer Gesellschaft beschreiben und vergleichen“
Bildungsplan 2016 (Erprobungsfassung)
Gymnasien, „Standardstufe 10“ (Thematik wohl weiterhin in Klassenstufe 8)
Inhaltsbezogene Kompetenzen, „Familie und Gesellschaft“
Die Schülerinnen und Schüler können unterschiedliche Lebensformen beschreiben (unter anderem traditionelle Familie, Ein-Eltern-Familie, Patchwork-Familie, Alleinlebende, Eingetragene Lebenspartnerschaft“)

Die Formulierung für den schulartübergreifenden Bildungsplan für die Sekundarstufe ist identisch, wobei auf der grundlegenden Niveaustufe lediglich das „Nennen“ und nicht das „Beschreiben“ der verschiedenen Lebensformen verlangt wird.

Die im aktuellen Schuljahr eingesetzten Arbeitsfassungen zur Erprobung sind unter www.bildungsplaene-bw.de abrufbar.

Demo gegen den neuen Bildungsplan am 19.10.2014 in Stuttgart,
nach Angaben der Polizei 1200 Teilneher_innen (eigene Angaben: 3000).

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Die Landesregierung in BW hat eine "Politik des Gehörtwerdens" versprochen.
Das Sozialministerium schreibt dazu:

"Die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ wird von Anfang an begleitet durch einen
Beirat, bestehend aus
  • Vertretungen der Ministerien,
  • aller vier im Landtag vertretenen Fraktionen
  • und 12 Vertretungen des landesweiten Netzwerks LSBTTIQ,
  • den Kommunalen Landesverbänden,
  • der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg,
  • der Aidshilfe Baden-Württemberg
  • und dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.
Ziel des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg ist es, die Öffentlichkeit für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung zu sensibilisieren und Maßnahmen zu entwickeln, um Ausgrenzung und Benachteiligung aktiv entgegenzuwirken.

Bei der CSD Polit-Parade am 26.07.2014 gingen insgesamt 67 Formationen – Fuß- und Motorradgruppen, PKWs und LKWs – mit weit mehr als 3.500 aktiven Teilnehmenden für Gleichberechtigung und Akzeptanz auf die Straßen. Die  CSD-Demo stellte einen neuen Besucherrekord auf: 220.000 Menschen standen laut Polizeiangaben am Straßenrand.
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Schäbiger Kampagnen-Jornalismus von FAZ/FAS, FOCUS und anderen....

Statt ihre Leser_innen sachlich und sachkundig zu informieren, geben FAZ/FAS/FOCUS Autor_innen Raum, die ganz offenkundig nie in die Bildungsplan-Entwürfe hinein geschaut haben - und wenn sie es getan haben sollten, dann haben sie sich dabei von ihrer intoleranten und/oder religiös-fundamentalistischen und katastrophierenden Ideologie blenden lassen.

Noch ist Bernd Saur Chef des Philologen-Verbandes in BW. 
Die Frage ist, wie lange die im Verband organisierten Philolog_innen es zulassen werden, dass er - Lehrer an einem Gymnasium in Ulm und Mitglied im Bildungsbeirat des Landes - seine Sex-Phantasien ausbreiten darf - u.a. im FOCUS) .
  • Statt über die im Bildungsplan vorgesehenen Themen wie Akzeptanz, Toleranz, Regenbogenfamilien, Patchwork-Familien, Lebenspartnerschaften zu schreiben oder wie in seiner und jeder anderen Schule die Diskrimierung von gleichgeschlechtlich orientierten Schüler_innen verhindert werden kann,
  • schreibt er lieber über "Taschenmuschi, Vibrator, Handschellen, Aktfotos, Vaginalkugeln" so wie über "Spermaschlucken, Dirty Talking, Oral- und Analverkehr und sonstige Sexualpraktiken inklusive Gruppensex-Konstellationen, Lieblingsstellung oder die wichtige Frage «Wie betreibt man einen Puff»". -
    Und: Projiziert das auf den gepanten neuen Bildungsplan. - (Mit besten Grüßen an Sigmund Freud.) 

Die Frankfurter Allgemeine legte nach
Am 14.10.14 veröffentliche sie einen Artikel von Frau Antje Schmelcher, die öffentlich von einem Unterricht träumen darf, in dem die Schüler_innen "zum Beispiel für eine Gruppenübung Sexartikel wie einen Dildo, Potenzmittel, Handschellen, Aktfotos und Lederkleidung erwerben sollen" [...] oder „Wie mag eine Jugendliche, die im Rahmen von Kinderprostitution verkauft wird, sich wohl fühlen, wenn sie im Sexualkundeunterricht einen ,neuen Puff für alle‘ planen soll?“ ... - Dazu klaubt sie alle möglichen Zitate aus verschiedenen Werken zusammen, doch einen Blick in die real-existrierenden Bildungspläne hat sie wohl nicht geworden.
Das ist bewusste Irreführung und Verwirrung der Öffentlichkeit durch die Autorin - und die Zeitschrift, die solches abdruckt.

Die im aktuellen Schuljahr eingesetzten Arbeitsfassungen zur Erprobung in BW sind unter www.bildungsplaene-bw.de abrufbar.
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Das Kultusministerium schreibt aus seiner Webseite 
am 19.10.2014 (das war der Tag der o.g. fünften Demo):


»Das Kultusministerium bezeichnet die Behauptungen auf der heutigen Demonstration gegen den Bildungsplan als falsch und absichtlich irreführend. Parolen einer „Sexualisierung der Schule“ oder der Zerstörung der Familie durch den Bildungsplan gingen vollkommen an der Wirklichkeit vorbei. „Die Initiatoren spielen bewusst mit den Ängsten von Eltern, um ihrer Ideologie zu entsprechen und ihre Anhänger anzuheizen“, erklärte ein Sprecher. Der Wert von Ehe und Familie sei einer der Grundpfeiler des Bildungsplans.
Die neue allgemeine Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ behandelt die Themen „Toleranz und diskriminierungsfreier Umgang mit Vielfalt“ in einem größeren Zusammenhang.
Es gehe genauso
  • um religiöse Vielfalt
  • wie um kulturelle,
  • ethnische,
  • soziale
  • und eben auch um sexuelle Vielfalt.
Das Kultusministerium will damit Schülerinnen und Schüler Toleranz und Akzeptanz gegenüber Menschen unterschiedlicher Staatsangehörigkeiten, Nationalitäten, Ethnien, Religionen und Weltanschauungen vermitteln, aber auch im Hinblick auf Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. „Unser Ziel ist, dass die Schule zu einem von Vorurteilen und Diskriminierungen freien Raum wird“, sagte der Sprecher.« 
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Die FAZ legt am 23.10.2014 noch einmal unbeirrt nach. - Aufklärung ?


 Während ein Leserbrief der SchLAu-Aufklärungsprojekte nicht abgedruckt wird, darf Martin Voigt nachlegen:


Man beachte auch das dazu abgedruckte Bild, das aus einem im Jahr 1991(!) erschienenen Buch stammt,  das vergriffenen ist, also mit den aktuellen Bildungsplänen in keinem Zusammenhang steht. Könnte man das nicht Manipulation nennen? Ist das nun Aufklärung oder Verdummung der gebildeten Leser_innen?
(Der Artikel ist bisher im Internet nicht veröffentlicht. Schade eigentlich.)
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Siehe auch:


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