Donnerstag, 1. April 2021

Corona / Covid 19/ Pandemie: "Es wird schlecht regiert." --- "Dann macht es doch endlich!"

I.
Neulich sah ich an einem Sonntag um die Mittagszeit  
in der ARD eine Diskussion unter JournalistInnen. (Keine Talk-"Show" mit PolitikerInnen - es waren nur JournalistInnen. "Presseclub"? Oder "Internationaler Frühschoppen"? Ich weiß es nicht mehr.)
In Erinnerung ist mir geblieben, dass diese KorrespondentInnen aus dem In- und Ausland sich in Bezug auf die Corona-Pandemie einig waren: 
"In Deutschland wird schlecht regiert".
 
II.
Ende März (2021) schrieb mir ein Student der Bioinformatik aus Kuba: 
"Die deutsche Regierung macht einen schlechten Job, ich weiß.  Ich habe immer viel mehr von Deutschland erwartet. Immerrrr. Ich dachte, ihr würdet eines der ersten Länder auf der Welt sein, die ihre Bevölkerung immunisiert haben 🙁."
Mensa-Essen in Kuba

Übrigens
sind auch in Kuba die Universitäten, Wohnheime und Mensen der Studierenden seit einem Jahr geschlossen. Die Uni, das Bett im Wohnheim und das Mittagessen in der Mensa sind gratis. Jetzt leben Studierende wieder bei ihren Eltern in den Dörfern und Städten aus denen sie stammen; die Eltern müssen in der ökonomischen Krise eine Person mehr miternähren. Wegen des schlechten Internets auf der Insel ist ein Online-Unterricht nicht möglich, wohl aber bekommen die Studierenden von ihren DozentInnen per Email Aufgaben zugesandt. Auch dort wird diskutiert, wie man ohne Präsenz an den Hochschulen Prüfungen abhalten kann. ...
Kuba hat eigene Impfstoffe gegen Corona entwickelt, auch in Kooperation mit der WHO. Der Impfstoff Soberanía befindet sich ungefähr in dem Stadium der Entwicklung wie der deutsche Impfstoff von Curevac in Tübingen, ist also noch nicht zugelassen für die landesweite Impfung.
 
III. Großbritannien
Ein Freund von mir arbeitet seit vielen Jahren als Notarzt in einem Krankenhaus in einer englischen Universitätsstadt. Auch Covid-19-PatientInnen werden dort behandelt. Ebenfalls Ende März (2021) schickte er mir folgende Nachricht:
  • Ich muss ja immer mehr staunen wie die 16 Zwerge (Ministerpräsidenten) jeder für sich seine eigenen Regeln macht und so tut, als ob es die dritte Welle nicht gibt oder der Virus sich ausgerechnet in ihrem Bundesland ganz anders verhält.
  • Dazu noch Mallorca Flüge ohne Quarantäne. Echt unfassbar.
  • Wir haben hier zwar viel mehr Impfstoff (jetzt über 30.5 Millionen Erstimpfungen) aber das ist ja nur ein Teil der Maßnahmen die jetzt die Todesfälle unter 70 pro Tag für die letzten 7 Tage drückten.Und jetzt weniger als 5000 positive pro Tag. Heute sogar nur 23 mehr Tote.
  • Hier ist keiner erlaubt in den Urlaub zu fliegen. Absolut nicht. Nur wenigen ist es erlaubt wegzufliegen, zB zu einer Beerdigung (da braucht man aber Beweise wie eine Todesurkunde).
  • Zwangsquarantaine im Flughafen-Hotel, wenn man aus rote Liste Ländern nach GB kommt für 1700 pounds [ca. 2000 Euro] mit Zwangstesten (wie in Australien und Neuseeland für 10 Tage).
  • Alle anderen mit Quarantäne zu Hause 10 Tage mit zwei Tests bevor man wieder das Haus verlassen darf.
  • Keine Hausbesuche anderer Personen in der eigenen Wohnung seit Monaten.
  • Alle Hotels und Ferienwohnung bis nach den Osterferien minimum zu.
  • Alle Friseure noch weitere 2 Wochen zu.
  • Restaurant nur Take away. Kein essen im Aussenbereich erlaubt.
  • Manchmal frage ich mich, ob da manche nicht extra die Kanzlerin vorführen wollen, um zu zeigen wie machtlos sie ist wegen der irren Föderalismus-Struktur, die so wenig hilfreich ist in einer Pandemie.
  • Ich hoffe du kannst das Tübingen Ticket während der nächsten warmen Tage benützen.
  • Mal sehen ob das nicht zum Ansturm von Touristen nach Tübingen führen wird wenn alle anderen Städte noch alles zu haben.

IV: Deutschland

Tweet von Minister-Präsident Bodo Ramelow (Thüringen)
aus den Bund-Länder-Verhandlungen über
die kommenden Corona-Regeln vom 23.3.21 um 0.30 Uhr


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 V. Kein Lockdown in Taiwan.  -
„Taiwan ist das sicherste Land der Welt“ – "was für die Familie Yu vor über einem Jahr klar war, hat sich bestätigt."

 Am 13. März 2020, zu Beginn der Pandemie, floh die taiwanesische Politologin Liya Yu mit ihrem deutschen Ehemann und ihrem Sohn aus Deutschland zurück nach Taiwan. Am 11. März hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Corona zur Pandemie erklärt. Sieben Wochen zuvor hatte China die Metropole Wuhan abgeriegelt. Danach konnte niemand auf der Welt sagen, dass man nicht vorgewarnt war“, sagt Frau Yu heute. Doch während sie erlebte, wie Berlins chinesische Community aus Vorsicht Chortreffen und Sportgruppen absagte, schien Corona für den Großteil der Deutschen noch ganz weit weg zu sein. „Es hat mir Sorgen gemacht, dass die deutsche Regierung so zögerte“. [Quelle]
Der entscheidende Unterschied zu Deutschland: Taiwans Behörden waren gut vorbereitet und handelten konsequent.

Während der Rest der Welt Corona mit 2020 verbindet, begannen Taiwans Vorbereitungen schon  Ende 2019. Am 31. Dezember 2019 ließen Chat-Nachrichten des später an Corona verstorbenen Arztes Li Wenliang aus Wuhan in Taiwan die Alarmglocken läuten. Am selben Tag gingen Experten an Bord gerade in Taipeh gelandeter Flugzeuge aus Wuhan und kontrollierten die Passagiere auf verdächtige Symptome.
Während Deutsche im Februar 2020 Karneval feierten, standen die Menschen in Taiwan Schlange für rationierte Masken. Einreisebeschränkungen und Quarantäneregeln wurden Schritt für Schritt verschärft. Lockdowns gab es nie, der drastischste Schritt waren um zwei Wochen verlängerteSchulferien. [a.a.O.]
Bei der Einreise hatte Liya Yus Familie Kontaktdaten angegeben. Sie erhielten täglich Anrufe zu ihrem Gesundheitszustand und sollten Menschenmengen meiden, konnten sich aber zunächst noch frei bewegen. Das änderte sich, als an ihrem dritten Tag in Taipeh die Quarantäneregeln auch auf Einreisende aus Europa ausgeweitet wurden. „Es hieß, nun geht nicht mehr aus dem Gebäude. Auch die Pförtner unten wussten Bescheid.“

Das konsequente Quarantänesystem ist – neben Einreisebeschränkungen und transparenter Kommunikation – einer der wichtigsten Bausteine von Taiwans Strategie. Die Regeln sind einfach: Wer noch einreisen darf, muss für 14 Tage in Quarantäne. In derselben Wohnung dürfen nur am gleichen Tag Eingereiste sein. Während dieser zwei Wochen gelten strenge Regeln: Die Sim-Karte wird per Funkzellenabfrage – ohne App – geortet. Entfernt sich das Handy vom zugewiesenen Ort, werden die Behörden alarmiert. Wer trotzdem auch nur einen Fuß vor die Tür setzt, riskiert empfindliche Strafen. Nach überstandener Quarantäne wird das alles aufgehoben, es winken das normale Leben und ein Dankeschön von 30 Euro pro Tag. Gut eine halbe Million Menschen hat das schon durchgemacht, die Verstöße liegen im Promillebereich. 
[Quelle]
Frau Yu staunte, als die Behörden ihrer Familie während der Quarantäne sogar Ansprechpartner für mögliche psychische Probleme nannten. --- Jahrelang hatten die Behörden Taiwans sich auf so einen Fall vorbereitet – seit der ersten Sars-Epidemie 2003.
Auch damals kam das Virus aus China, und Taiwan war mit 73 Toten am zweitstärksten betroffen. Anders als heute aber war Taiwan damals überhaupt nicht gut vorbereitet. Nach traumatischen Erfahrungen im Jahr 2003 stellte Taiwan sein System neu auf und schuf innerhalb der Seuchenkontrollbehörde eine permanente Stelle zur Krisenreaktion, die im Ernstfall einen Krisenstab ins Leben ruft. Am 20. Januar 2020 war es in Taiwan so weit – drei Tage bevor China Wuhan abriegelte. Geleitet vom Gesundheitsminister, hat dieser Krisenstab weit reichende Befugnisse und kann ressortübergreifend Maßnahmen anordnen.
Unbegreiflich findet Frau Yus Ehemann beim Blick auf Deutschland, dass Erkrankte zu Hause bleiben können, statt von Gesunden isoliert zu werden. „Das verhindert keine Ausbreitung.“ [Der ganze Text] 

Quelle: taz 31.3.2021
"Die deutsche Regierung macht einen schlechten Job, ich weiß.  Ich habe immer viel mehr von Deutschland erwartet. Immerrrr. Ich dachte, ihr würdet eines der ersten Länder auf der Welt sein, die ihre Bevölkerung immunisiert haben 🙁." [Student aus Havanna]


Sonntag, 29. November 2020

Weihnachten 2020: Schenke ich mir... --- Oder: Weihnachten darf man (sich) wieder infizieren

 So kann man es sehen... :  

Nachdem wir nun in Deutschland erst einmal (derzeit bis 20.12.20) im Lockdown-Light ("LoLi") sind, dürfen wir uns und andere dann über die besinnlichen Weihnachts-"Feier"-Tage wieder so richtig schön infizieren im Familienkreis. Warum? Weil Weihnachten ist. "Draußen vom Walde komme ich her", sagt das Virus, "ich muss euch sagen: Es weihnachtet sehr".

Derweil schreibt der österreichische (ganz Österreich gilt derzeit als Risiko-Gebiet) Kolumnist kurz vor dem 1. Advent:

Wir [in Österreich] hocken im Stubenarrest; Geschäfte, Schulen, Kneipen, alles hat zu, wir dürfen zwar raus, um ein wenig Luft zu schnappen. Die Infektionszahlen sinken dennoch nur sehr langsam, da man die Epidemie kriminell lange laufen ließ. In den Pflegeheimen sterben die Leute wie die Fliegen, die Intensivstationen quellen über, und dafür ist nicht zuletzt ein Kanzler [Sebastian Kurz] verantwortlich, ein Angeber und Aufschneider, der monatelang damit prahlte, dass wir „die Besten“ seien, was die Leute zu Halligalli ermuntert hat. Nicht einmal ein Donald Trump hat solch ein Desaster anrichten können, jedenfalls wenn man die aktuellen Todeszahlen in Relation zur Bevölkerung vergleicht. Und dieser Irrsinn geht weiter. Regierung und österreichische Skiliftmafia träumen noch immer vom unbeschwerten Wintertourismus. ...

Wir [in Deutschland, ohne Skiliftmafia] träumen von der unbeschwerten Familienfeier [siehe Foto ganz unten], wobei man doch weiß, dass die Weihnachts-Tage zu den seelisch belastendsten Tagen des Jahres gehören.

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"Das Weihnachtsfest findet statt!"
"Im Jahr 2021 vielleicht."  --- So witzeln andere.

Quelle

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 Man könnte den verschärften Lockdown, auch Lockdown-Heavy ("LoHe") genannt, durchaus so sehen... : 


Übrigens, für`s Protokoll: 

Dramatisch ist Ende November 2020 noch immer die Entwicklung der Corona-Toten in Deutschland. Im 7-Tage-Mittel werden 280 Menschen pro Tag gemeldet, die an oder mit Corona verstorben sind - 36% mehr als eine Woche zuvor.
Bei der ersten Welle im Frühjahr 2020 lag der höchste 7-Tage-Mittelwert bei 233 Toten pro Tag, (das waren pro Stunde 2 Tote weniger).
Etwa 3900 Covid- Patient*innen liegen in Deutschland auf den Intensivstationen; zu Semester-Beginn Anfang Oktober 2020 waren es etwa 300.
In Deutschland gibt es jetzt mehr als eine Million Infizierte. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt in der Bundesrepublik bei 16.123 (Robert Koch-Institut, Stand: 29. November).

 Am Rande: Aids und das HI-Virus HIV
In den Jahren 2004-2006, auf den Höhepunkt der Aids-Epidemie, starben weltweit jährlich 1,7 Millionen Menschen an der Krankheit Aids, insgesamt waren es bis heute weltweit 35 Millionen an Aids Verstorbene.  (Im Jahr 2019 waren es noch 690.000.) --- Weltweit leben derzeit 38 Millionen Menschen mit dem Virus, täglich kommen 1,7 Millionen Neu-Infektionen hinzu, es gibt bisher keine Schutz-Impfung, weil die Forschung zu den Impfstoffen bisher wegen der hohen Mutationsrate des Virus nicht erfolgreich war. Durch Präventionsmaßnahmen und durch die Behandlung der Erkrankten mit antiviralen Medikamenten kann die Sterberate jedoch dort sehr deutlich gesenkt werden, wo es Zugang zu den Medikamenten gibt.

In Österreich sind die Infektionen zuletzt gesunken, aber immer noch deutlich höher als in Deutschland. Pro 100.000 Einwohner lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei rund 350.
Und zum Vergleich noch ein Blick nach Russland: Russland wurde schwer von der Corona-Pandemie getroffen. Bisher gibt es über 2,2 Millionen nachgewiesen Infektionen und 39.527 Tote. Hinter den USA, Indien und Brasilien weist Russland weltweit die vierthöchste Infektionszahl auf.
Weltweit haben sich laut Johns-Hopkins-Universität mehr als 62,2 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 1,45 Millionen Erkrankte sind gestorben. [Quelle: t-Online] 

Der österreichische Kanzler und das deutsche Bundeskanzleramt haben das Weihnachtsfest als gemeinsames Fest weiterhin fest im Auge.
  • Auch wenn manche Mitbürger*innen das Weihnachtsfest eher als Bedrohung empfinden
  • Familienstreitigkeiten sich an Weihnachten häufen 
  • viele Alleinstehende sich besonders allein fühlen
  • die Selbstmordrate an den Weihnachtsfeiertagen besonders hoch ist
  • und sowohl den etwa 5 Millionen Muslim*innen in Deutschland ("Disco-Muslime" eingerechnet)
  • als auch den nicht-christlichen, agnostischen, atheistischen und/oder andersgläubingen Mitmenschen im Lande andere Feier-Tage vielleicht wichtiger sein werden. ---
Irgendeinen Bezugspunkt in der Ferne - wie den 24. Dezember - braucht der Mensch wohl: Ein Licht am Ende des Lockdown-Tunnels. ("Advent, Advent! Ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier. Dann steht das Christkind vor der Tür." - Und der Virus leider immer noch.)
Doch man weiß nicht wirklich, ob das Licht am Ende des Tunnels nicht ein auf demselben Gleis entgegen-kommender Zug sein könnte.

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„Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel. Treffen Sie niemanden.“
Sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz Mitte November 2020. -
Er stellte in Aussicht, dass dieser Lockdown es ermöglichen könnte, dass man „im Dezember das Land schrittweise hochfahren, das Weihnachtsfest und die Vorweihnachtszeit retten und trotz Einschränkungen würdig begehen“ könne. [Quelle u.a.

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Wieder andere sehen es so: 

Quelle


Postkarte. Herkunft unbekannt.

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Sonntag, 30. August 2020

Demo/ Volks-Fest in Berlin.- August 2020 - Gestürmter Reichstag (Die Treppe) - Nebst Hegel.

Quelle

Zum "Fest für Freiheit und Frieden" 

luden die Stuttgarter Querdenken-711 bundesweit nach Berlin ein. Angemeldet hatten sie ca. 25.000 TeilnehmerInnen, gekommen waren nach offiziellen Zahlen "bis 40.000", nach Angaben aus eigenen Kreisen, von Youtuber "Oli" zum Beispiel, 2 Millionen (sog. alternative Fakten / alternative facts)   ---
Vier Wochen vorher in Berlin waren es in der Tat so um 25.000 TeinnehmerInnen gewesen (nach Angaben, alternativen Fakten aus eigenen Kreisen, 1300.000 oder 1,3 Millionen).

"Wir lassen uns nicht spalten"
war eine der Ansagen. Das klingt gut und positiv. - Gemeint war damit, dass auch Rechts-Extreme und Neo-Nazis aller Schattierungen ausdrücklich und herzlich eingeladen waren. 


Auf der Abschluss-Kundgebung war viel von Gandhi, Martin-Luther King, Wahrheit, Freiheit, Gewaltlosigkeit ... die Rede. Es sprach: Ein Wolf im Schafspelz? Ein verirrtes Schaf?


Der etwas schräge Robert Francis Kennedy junior aus den USA war auch gekommen. Später stürmten einige der geladenen rechts-extremen Gäste das Reichstagsgebäude/ den Bundestag, wo sie es für das erstrebte symbolische Propaganda- Presse-Foto immerhin bis auf die Stufen schafften. Einige hatten schon seit Jahren lautstark und werbewirksam angekündigt, den Reichstag stürmen, die Regierung Merkel stürzen und die liberale Demokratie abwickeln zu wollen. --- Das hatte wohl zuvor jemand überhört oder nicht geglaubt?
Aber (zunächst nur) drei Polizisten, die am Tag danach von taz bis BILD gefeiert wurden, stoppten DIE STÜRMER:



Von der verlorenen Unschuld 

Ob Rechtsextreme die Demonstration dominierten, ist eine Frage der Einschätzung. Viele Reporterinnen und Reporter berichteten, Rechtsextreme seien akzeptierter Teil der Proteste gewesen. RBB-Reporter Olaf Sundermeyer schätzte ihren Anteil auf etwa 20 Prozent. Aktivisten der "Identitären Bewegung" und rechte Hooligans hätten mehrfach versucht, die Situation zu eskalieren, so Sundermeyer. [Quelle]
Verwundert zeigte sich SPD-General-Sekrtär Lars Klingbeil über den Verfassungsschutz: "Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass der Verfassungsschutz noch zwei Tage vor der Demonstration gesagt hat, es gibt keinerlei Hinweise, dass Rechtsextreme versuchen, diese Demonstration für sich zu kapern." - [a.a.O.]
Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek:
"Seit den ersten Hygiene-Demonstrationen verfestigt sich der Einfluss rechtsextremer Gruppen auf die Corona-Protestbewegung. [...] Die Rechten sind dabei, die Bewegung komplett zu kapern." - Laut Radek suchten Rechtsextreme auf den Demonstrationen Anschluss ins bürgerliche Lager. "Und sie werden offen geduldet, man streckt ihnen sogar die Hand aus. Das macht mich fassungslos", sagte er.
Seit vergangenem Wochenende, so der GdP-Vizechef, habe die Corona-Protestbewegung "endgültig ihre Unschuld verloren" [Quelle]

29. August 2020

"Mehrere Zehntausend Menschen demonstrierten am Samstag in Berlin gegen die Corona-Beschränkungen. Abends durchbrachen Teilnehmer die Absperrungen am Reichstag. Politiker reagieren empört und beschämt. [...] Videos, die im Internet kursieren, zeigen, wie die Menschen direkt vor der Tür des Reichstags stehen. Nur drei Polizisten standen ihnen noch im Weg."
[DIE WELT]

Screenshot tagesschau

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Berlin. Am Mittag des 30. Januar 1933 ...

... ruft Harro bei Adrien Turel an: »Hitler ist Reichskanzler! Fahr doch mal mit der Untergrundbahn bis Potsdamer Platz und sieh dir das Volksfest an.
Quelle: 1. Auflage 2019
Seite 58 (ergänzt)
Dann kommst du vielleicht auf die Redaktion. Zunächst wird uns ja kaum etwas passieren.«
Turel deckt die Schreibmaschine ab, steigt in die Bahn, fährt ins Zentrum und läuft auf dem mittlereren Spazierweg Unter den Linden in Richtung Schloss. Beiderseits auf dem Fahrdamm kommen ihm massive Kolonnen von SA-Leuten entgegen, mit Fackeln in den Händen, für die

Umzüge am Abend, strammen Schritts, so wie Gladiatoren in die Arena schreiten. »Ich meinerseits marschierte gegen den Strom.

Und siehe da: Entgegen kam mir nun ein jüdischer Fabrikant und seine Frau, Menschen, die ich sehr gut kannte. Ich begrüßte sie freudig als Judengenosse, der ich bin, mitten zwischen den Heersäulen der SA-Leuten (...) und sagte:
 >Menschenskinder, dicke Luft! Hauen Sie ab!<
Worauf die Dame mich anstrahlte und mit kindlicher Naivität sagte:

>Aber lieber Turel, seien Sie doch nicht hysterisch! Das ist ja ein Volksfest.<

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"Deutsches Wochenblatt
zum Kampf und die Wahrheit"

17. Februar 1944

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Siehe auch:

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Thesen > Antithesen ...

Georg Wilhelm Friedrich Hegel:

"Was vernünftig ist, ist wirklich, und was wirklich ist, ist vernünftig."
Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, 1821

Hegel formuliert das in seinen Vorlesungen auch so "was vernünftig ist, wird wirklich und was wirklich ist, wird vernünftig" oder "Was vernünftig ist muss sein".

Georg Wilhelm Friedrich Hegel * 27. August 1770 in Stuttgart
Deutscher Philosoph. (1770 - 1831)

Antithese 1: 200 Bekloppte - Zehntausende Friedliche

... Doch in jeder Demonstration laufen Leute mit, die einem nicht passen. Und in Berlin waren Extremisten eine fast verschwindende Minderheit, anders als es uns Massenmedien und Politik weismachen wollen. Man muss nur die Bilder der friedlichen Menschenmenge des Demonstrationszuges ansehen: Sehen so durchgedrehte Extremisten aus? Wovon aber wird in erdrückender Mehrheit von den Massenmedien berichtet? Von 200 Bekloppten, die in den Reichstag eindringen wollen (natürlich wird von stürmen gesprochen …). Zehntausende friedlicher Demonstranten werden oft noch nicht einmal erwähnt. Ist das seriöse Berichterstattung? Worum geht es der massenmedialen Darstellung und jener der Politiker? Schlicht darum, Kritik an ihrer offiziellen Doktrin zu ersticken. Die begriffliche Schlachtplatte, die zum Austilgen abweichender Meinung aufgetischt wird, ist bemerkenswert. ...  (P.I. aus Mengen)

Antithese 2: Letzten Endes keine andere Wahl

  • ... Ich würde auch lieber eine andere Plattform finden, um meinen Anliegen und Fragen Gehör zu verschaffen, als in Kauf nehmen zu müssen, dass ich in einem Zug mit den oben genannten Schwachköpfen laufen muss. Ich hatte deshalb auch lange gezögert.
  • Aber da weder die Politik noch die Medien anscheinend ansprechbar sind für kritische Fragen und Meinungen, habe ich letzten Endes keine andere Wahl mehr für mich gesehen. Und so geht es vielen. 
  • Mir geht es nicht darum, den Staat umzustürzen, Verschwörungstheorien zu verbreiten oder die Existenz des Coronavirus zu leugnen. 

Mir geht es um die Frage, wie offen und transparent über alle Aspekte dieser komplexen Thematik informiert und diskutiert wird bzw. werden darf. Mir geht es um die Frage, ob die psychische Gesundheit nicht genauso viel Wert ist wie die körperliche. Mir geht es um die Frage, ob die Politik bei ihren Entscheidungen die gebotene Verhältnismäßigkeit berücksichtigt und zu diesen Themen außer Virologen auch Fachleute aus anderen Bereichen genügend zurate gezogen hat. Und warum jetzt mit einer Unverhältnismäßigkeit die Freiheit einer ganzen Gesellschaft massiv eingeschränkt und die Wirtschaft extrem belastet wird und Unsummen im Handumdrehen aufgebracht werden, für die die nachfolgenden Generationen voraussichtlich über Jahrzehnte bluten müssen. Was steckt hinter all dieser einseitigen Informationspolitik, die erschreckenderweise von den meisten Medien mitgetragen wird? ... N.K. aus Berlin

Antithese 3: Im sinnvollen Verhältnis zur Bedrohung stehen

Natürlich gibt es auch „normale“ Leute, die finden, dass die Abwehrmaßnahmen gegen die Coronapandemie in keinem sinnvollen Verhältnis zur Bedrohung stehen, ungeeignet sind oder unangemessen in Bürgerrechte eingreifen. Ich finde es wichtig, dass auch diese Leute ihre Meinung äußern und dafür demonstrieren können – und es kommt mir gesellschaftlich gefährlich vor, sie zu schnell in den Spinner-und-Rechte-Kübel zu stecken, sonst werden sie da drin leicht zu echten Spinnern und Rechten. ... T.R. aus München 

Quellen 

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Synthese: Was vernünftig ist, wird wirklich?