Mittwoch, 19. August 2015

Von der Gemeinschaftsschule, der ErKo, der FAZ, Frau Dr. Schmoll und einem Schwäbischen Himmelfahrtskommando


Auf jeden Fall:
Eine wunderschöne Zeitungs- Überschrift.
Himmelfahrtskommando
ist ein dem militärischen Jargon entstammender Begriff, der einen besonders riskanten Auftrag bezeichnet, dessen Ausführung mit hoher Wahrscheinlichkeit (aber ungewollt) zum Tod des oder der Ausführenden führt.
Die analogen englischen Begriffe lauten suicide mission (= Selbstmord-Auftrag), glory-or-grave-job (Ruhm-oder-Grab-Auftrag) oder suicide squad (= Selbstmordkommando, wörtlich: „Selbstmordtrupp“).
Der Begriff fand Eingang in die zivile Umgangssprache, wo er allgemein für eine unangenehme und aussichtslose Aufgabe verwendet wird, die man – im Wissen um das fast sicher bevorstehende Scheitern –
dennoch erledigen muss.
[wikipedia]
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Auch sonst weiß man bei Frau Dr. Schmolls Artikeln zur Bildungspolitik immer schon bevor man sie gelesen hat - und eigentlich sogar schon, bevor Frau Schmoll ihren Artikel geschrieben hat - was hinten dabei rauskommen wird. Es ist so wie mit den Schafen in George Orwells Roman "Animal Farm". Nämlich:
„Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht“
 das heißt bei in diesem Fall: 
"Dreigliedriges Schulsystem gut, zweigliedriges Schulsystem schlecht".

... nachblökend, was man ihnen nur lang genug vorbetet, symbolisieren sie, die Schafe,  das „ungebildete gemeine Volk“ und werden von der Propaganda der Führung für ihre Zwecke missbraucht. Jede Diskussion und Kritik der anderen Tiere wird durch ihr minutenlanges Blöken verhindert, indem sie immer wieder den Slogan „Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht“ wiederholen. [wikipedia]
Unter dieser Prämisse stehen alle Artikel zum Thema Schulsystem. Woran liegt das?

Produktbeschreibung/Klappentext von bücher.de:
"Der Begriff 'Elite' wird neuerdings wieder ganz unbefangen gebraucht, vor allem im Zusammenhang mit den neuen Elitehochschulen. Doch lassen sich Eliten schaffen? Und ist dies in einer Demokratie überhaupt wünschenswert? Heike Schmoll nimmt in ihrem fulminanten Lob der Elite die ewigen Elite-Kritiker [...] aufs Korn. Mit Blick auf die Geschichte von Eliten und ihre Bildung zeigt sie, warum wir nicht auf Eliten verzichten können[...]. 

Heike Schmoll zeigt, wie Eliteförderung und Persönlichkeitsbildung miteinander verbunden werden können, damit Deutschland die Eliten bekommt, die es braucht." 


> Weitere Bücher zum Thema Elite.


Elite-Förderung
braucht ein gegliedertes Schulsystem; ein 3-gliedriges System (HS/RS/Gym) scheint dann besser zu sein als ein zweigliedriges (z.B. Gymnasium plus Gemeinschaftsschule) oder gar ein-gliedriges System (Integrierte Gesamtschule). Denn gliedern und auslesen ist das Gegenteil von Integration und Gemeinschaft. Oder?
"Elite

(urspr. vom lateinischen exlegere, „auslesen“) bezeichnet soziologisch eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen (Funktionseliten, Leistungseliten) oder die herrschenden bzw. einflussreichen Kreise (Machteliten, ökonomische Eliten) einer Gesellschaft. Konkret bezieht sich der Begriff meist auf näher definierte Personenkreise, wie z. B. die Positionselite oder die Bildungselite. Der Elite gegenüber stehen die „Masse“[1] oder der „Durchschnitt“ („Normalbürger“). Als Elitarismus bezeichnet man die Ideologie, die vom Bewusstsein getragen wird, einer Elite anzugehören." [wikipedia]
So viel zur Hermeneutik und zum besseren Verstehen des Artikels von Frau Dr. Schmoll.
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Ein Schulversuch ist ein Schul-Versuch.
  • Der kann gelingen, teilweise gelingen oder auch misslingen.
  • Man kann auf das halb volle und/ oder das halb leere Glas schauen. 
Ein halb volles und ein halb leeres Glas
  • Man braucht Kriterien, um beurteilen zu können, ob ein Versuch gelungen ist.
    Kriterien können sein: Wird eine Elite gefördert? Erreichen mehr Kinder als anderswo einen höheren Schulabschluss? Sind die Kinder glücklicher, sozialer, durchsetzungsfähiger, eigenständiger als an anderen Schulen? Fördert die Schule Einfalt oder Vielfalt? Werden Kinder diskriminiert? - 
  • Von Alexander Sutherland Neill, Pädagoge und langjähriger Leiter der von ihm gegründeten Demokratischen Schule Summerhill in Leiston, stammt die Aussage: "Besser ein glücklicher Straßenkehrer als ein unglücklicher Professor". - Darüber ließe sich trefflich streiten.
  • Und so weiter und so fort. - Über die Kriterien eines Schul-Erfolges sollte man sich auf jeden Fall jeden Fall zunächst verständigen - oder auch streiten.
  • ....
  • In einer Demokratie entscheidet darüber die Mehrheit des Volkes, vertreten i.d.R. durch Parlamente. 
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Das Corpus Delicti: Ein "ominöses Gutachten" (Stuttgarter Nachrichten)



"Einige Personen kennen die Studie, doch nur zwei geben derzeit Auskunft darüber: Eine Redakteurin der „Frankfurter Allgemeinen“, die in ihrer Zeitung von einem „schwäbischen Himmelfahrtskommando“ Gemeinschaftsschule berichtete, und der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der das Werk vor zwei Monaten erhielt und daran eigentlich nichts Anstößiges entdecken konnte und kann."  Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Dann muss man sich wohl 
zunächst leider mal auf das verlassen, was Frau Dr. Schmoll in der FAZund andere Journalistinnen berichten; denn der Zwischenbericht, der sich auf das Schuljahr 2013/2014 (?) bezieht, ist ja "nur intern zu verwenden", wie es heißt.

Frau Dr. Schmoll schreibt in der FAZ:
Nun wurde ein vernichtendes Gutachten über die Gemeinschaftsschule bekannt, das vom Kultusministerium bisher unter Verschluss gehalten wird, den Vermerk „nur intern verwenden“ trägt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

Frau Allgöwer schreibt in der Stuttgarter Zeitung:
Durch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wurde ein 40 Seiten starker Zwischenbericht der Universität Tübingen bekannt, der der Schule zahlreiche Mängel attestiert.

Und Frau Wetzel in den Stuttgarter Nachrichten:
Ein Medienbericht über die Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen und ein ominöses Gutachten - das Kultusministerium wehrt sich gegen Vorwürfe, ein „vernichtendes Gutachten über die Gemeinschaftsschule“ unter Verschluss zu halten. Das schulinterne Papier liege ihm gar nicht vor.

Es ergeben sich dadurch natürlich einige Fragen:
  • Wer hat den internen Bericht an Frau Schmoll weiter gegeben? 
  • Cui bono?
  • Frau Schmoll ist keine neutrale Wissenschafts-Journalistin, sondern der CDU, der katholischen Amtskirche, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der ehemaligen CDU-Kultusministerin Schavan (heute im Vatikan) eng verbunden. 
  • Rechtlich betrachtet:
    Hat die Weitergabe für die Person, die den Bericht geleakt hat, dienstrechtliche oder strafrechtliche Konsequenzen? Und wer müsste in diesem Fall Anklage erheben? Die Verfasser des Berichtes? Das Kultusministerium in Stuttgart? Das Regierungspräsidiium in Tübingen?
  • Politisch betrachtet:
    War es klug, diesen Bericht nebst Kommentar nicht gleich an die Öffentlichkeit zu geben? Haben insbesondere die Eltern der SchülerInnen nicht auch ein Anrecht darauf, zu erfahren, was in einem Schulversuch gut läuft und was nicht?
  • Inhaltlich betrachtet:
    • Derzeit kann wohl kaum jemand überprüfen, ob Frau Schmoll den Inhalt des Zwischen-Berichts korrekt wieder gegeben hat.
    • Der Bericht war ein Zwischen-Bericht.
      Natürlich ist der erste Adressat eines Zwischenberichtes die Schule, die den Schulversuch (damals im Auftrag der CDU/FDP-Regierung) durchführt. Die Schule möchte von den WissenschaftlerInnen, die von außen auf die Schule schauen, wissen:
      Was läuft gut? Was ist o.k.? Und was sollten/könnten wir verbessern? - 
    • Immer angesichts der Ziele, die sich die Schule gesetzt hat, die der Schule gesetzt wurden.
      Nicht im Angesicht der Ziele eines Journalisten oder einer Journalistin, die - welcher Partei auch immer - nahesteht. Diese Meinungen unterliegt der Pressefreiheit, bleibt aber die Privat-Meinung einer Person oder eines Blattes. 
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Was Frau Schmoll leider nicht recherchiert hat - wozu sie aber genug Zeit gehabt hätte:
  • Was sagen die KollegInnen, die im Schulversuch arbeiten?
  • Was sagen die Eltern der SchülerInnen? Immerhin hat der Schulversuch jedes Jahr seit 2009 mehr Anmeldungen als es Plätze (4 x 28) zu vergeben gibt.
  • Warum hat sie nicht berichtet, dass inwischen der erste Jahrgang der Schule mit der Mittleren Reife die Schule verlassen hat.
Das Schwäbische Tagblatt berichtete schon am Donnerstag 30 Juli 2015 über diesen Abschluss-Jahrgang der Klasse 10:

ErKo bedeutet: Erweiterte Kooperation der Realschule
mit Hauptschule und Gymnasium.
  • Schüler lernen individuell: Erster "ErKo"-Jahrgang hat seinen Abschluss /
  • Zwei Drittel machen weiter bis zum Abitur

·       Bei den Leistungen lagen die Absolventen mit einem Notendurchschnitt von 2,3 um 0,4 Punkte besser als der langjährige Wert der Realschule.
·       23 Prozent der Schüler erreichten einen Einser-Notenschnitt.
·       Die Hälfte der Absolventen bekam Preise und Belobigungen, sagt Friedrichsdorf.
·       Das begründet er damit, dass sich Lehrer als "Coaches" intensiv um die Lernentwicklung von je neun Kindern kümmern.


Da ist man doch gespannt, 
wie es kommt, dass dieser Schulversuch trotz all der Mängel, die im Zwischenbericht (nach Angaben von Frau Dr. Schmoll) genannt werden, doch so erfolgreich zu sein scheint?

Vielleicht liegt es ja gerade daran,
  • dass die Eltern so gut einbezogen werden,
  • dass die Lehrkräfte so überaus engagiert sind und waren,
  • dass SchülerInnen derselben Klasse (neudeutsch: Lerngruppe)  auf 3 Niveaus unterrichtet werden,
  • dass die SchülerInnen durch das System des LernCoachings (das von Frau Schmoll gar nicht erwähnt wird, aber eines der größten Erfolgsmodelle des Schulversuches ist) sehr gut betreut wurden.
  • Und dass es gut war, das erwähnte sog. Lerntagebuch, das der Schrecken vieler Lehrkäfte und SchülerInnen war, wieder azuschaffen.... (Zitat aus der FAZ: "Das Lerntagebuch, das die Schüler eigentlich über das Schuljahr hinweg führen sollen, um ihr eigenes Lernverhalten einzuschätzen, aber auch Rückmeldungen zu bekommen, dient in den meisten Fällen nur noch als Schülerkalender. Die Schüler finden es überflüssig." -
Man wird sehen.
Man wird sehen, wie die Eltern künftig mit den Füßen abstimmen werden
und was die WissenschaftlerInnen in ihrem - dann hoffentlich öffentlichen - Abschlussbericht zu sagen haben.


Siehe auch:

    Samstag, 1. August 2015

    "Einbildung ist auch eine Bildung" oder: Wenn der Philologenverband über Dinge redet, von denen er nichts versteht, zum Beispiel von Schulnoten...

    "Einbildung ist auch eine Bildung"
    pflegte meine Oma N. öfter zu sagen. Oma N. war sehr bildungbeflissen, in ihrem Haushalt auf dem Dorf gab es zwei Geigen, zwei Klaviere, viele Bücher, und ihr verdanke ich, dass ich auf`s Gymnasium kam.
    Ihre Schattenseite: Sie wollte unbedingt den Kaiser Wilhelm wieder haben und verkehrte am liebsten mit den "Granden" des Dorfes, das waren damals der Schulleiter der Dorf-Volksschule, Lehrer B., und der Herr Pfarrer, der gleich nebenan wohnte. - So viel zur Ein-Bildung und zur Oma.
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    Quelle: Stuttgarter Zeitung
    Alle Jahre wieder, zur Zeugniszeit,
    finden sich mehr oder wenige kluge Ratschläge für Eltern in Zeitungen und Zeitschriften. Das kann auch hilfreich sein. "Bernd Saur, Vorsitzender des Philologenverband Baden-Württemberg, spricht im Interview darüber, warum auch schlechte Noten wichtig sind." - Und verteilt auch präventiv gleich manchen Eltern eine schlechte Note bzw. ein schlechtes Zeugnis. - Denn das ist ja wichtig.


    Eltern sind gut beraten, wenn der Tag der Zeugnisse keine totale Überraschung wird. Wer sein Kind das ganze Schuljahr über begleitet, wer die Noten der Klassenarbeiten kennt, die Elternabende besucht und die Lehrersprechstunden nutzt, der wird auch am Schuljahresende nicht erstaunt sein, wenn er von dem Leistungsstand seines Kindes erfährt. - Das wäre kein gutes Zeugnis für die Eltern.
    Ja, es ist richtig: Eltern sind gut beraten, wenn der Tag der Zeugnisse keine totale Überraschung wird.

    Was tun bei schlechten Noten?
    Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Kind war zu faul, dann gilt das Motto von Mehmet Scholl:„Jetzt ist Ende mit Rumschlawinern!“ Oder aber das Kind kommt mit einem bestimmten Fach nicht klar. In diesem Fall lohnt es sich über zusätzliche Förderstunden nachzudenken und mit dem Lehrer nach Schuljahresbeginn einen Plan zu machen, wie dem Kind geholfen werden kann.
    Prima, dass die Pädagogik so einfach ist und es nur zwei Möglichkeiten gibt: Das Kind ist zu faul oder zu dumm. Ob es auch andere Gründe geben könnte?
    Wenn im neuen Bildungsplan in BW auch für das Gymnasium künftig  "LernCoaching" für die SchülerInnen vorgesehen ist, wird auch der letzte Lehrer Lempel merken, dass es mehr Gründe für schlechte Noten geben kann, als dass das Kind dumm ist oder rumschlawinert. Und entsprechend viel mehr Möglichkeiten, darauf zu reagieren.
    Siehe auch: Von Lerncoaching, Leadership und Facilitation.
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    Die Stuttgarter Zeitung sagt und fragt:
    In der Gemeinschaftsschule geben Lehrer keine Noten, sondern eine schriftliche Beurteilung über den individuellen Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler. Eltern können aber eine „Übersetzung“ der Leistungen ihrer Kinder in Noten verlangen. Wäre diese Bewerbungsmethode nicht passender als Zahlen? 

    Die Frage ist schon falsch. 
    Warum?

    1. "In DER Gemeinschaftsschule!". - Es gibt nicht DIE Gemeinschaftsschule, sondern sehr unterschiedliche Konzepte in den verschiedenen Gemeinschaftsschulen.
    2. So gibt es auch in Gemeinschaftsschulen Noten - früher oder später. 
    Richtig ist, 
    • dass in einigen Schulen versucht wurde, i.d. R. bei den jüngeren SchülerInnen, anfangs auf  Noten zu verzichten und z.B. statt dessen mit Farbsymbolen zu arbeiten. Das hat Vor- und auch Nachteile, und manche haben das wieder abgeschafft oder wollen es wieder abschaffen. 
    • Andere Schulen arbeiten mit Prozentskalen ("Du hast bei diesem Test, der auf einem mittleren Leistungsniveau basierte, 50% der Höchstpunktzahl erreicht."). Eltern und Kinder können in einer Tabelle nachschauen, was das dann für eine Note ist (in diesem Fall 3,7), - Dieses System hat Vor- und Nachteile, aber global arbeiten viele Länder nur mit Prozentskalen, z.B. China.
    • Wieder andere arbeiten - mal  mehr mal weniger - mit Kompetenzrastern und/oder verbalen Beurteilungen.  Auch diese Verfahren haben Vor- und Nachteile. Man kann sich z.B. fragen, welche Aussage für Eltern hilfreicher ist:
    1. Aussage A: Ihr Kind hat in Mathe eine 4,5.
    2. Oder Aussage B: Ihr Kind kann in Mathe schon auf einem mittleren Niveau  gut multiplizieren, aber beim Dividieren bewegt es sich noch auf einem Basis-Niveau und es sollte in nächster Zeit seine Aufmerksamkeit auf das Dividieren richten, wenn es einen mittleren Schulabschluss erreichen will.
     Der Philologe antwortet:
    Die Gemeinschaftsschule fährt eine Kuschelpädagogik mit angezogener Handbremse. In unserer Gesellschaft gibt es überall Wettbewerb: In der Musikschule, im Sport, bei der Bewerbung um ein Studium oder einem Arbeitsplatz – Konkurrenz ist Teil einer Leistungsgesellschaft. Den Kindern die traumtänzerische Vorstellung „alle sind gleich“ vorzumachen, ist falsch. Bei der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr waren da 82 Millionen Deutsche einer anderen Meinung.
    Das hört sich gut an. Was will der Philologe den LeserInnen vermitteln?
    > Die Gemeinschaftschule fährt eine Kuschelpädagogik. - 82 Millionen Deutsche sind anderer Meinung.
    Eine überzeugende Argumentation? Vielleicht für Leichtgäubige und Unwissende.
    > Und der Philologe zeigt, dass er lieber seinen Vor-Urteilen und seiner Ein-Bildung vertraut (... alle machen Kuschelpädagogik, außer wir; wir allein verlangen Leistung ...) als die Augen aufzumachen und sich umzusehen und vorurteilsfrei und undogmatisch zu informieren.
    Zum Beispiel: ____________________________________________

    Schwäbisches Tagblatt 30. Juli 2015
    Der Schulversuch "ErKo" (= "Erweiterte Kooperation zwischen Hauptschule, Realschule und Gymnasium") in Tübingen begann vor 6 Jahren mit 108 SchülerInnen, d.h. er wurde noch unter der alten CDU/FDP-Regierung eingerichtet.

    Man kann diesen Schulversuch als Vorläufer der Gemeinschaftsschulen in BW ansehen, denn vieles wurde aus diesem Schul-Versuch nach dem Regierungswechsel zu grün-rot für das Konzept der Gemeinschaftsschulen (GMS) übernommen.

    ErKo ging aus einer Realschule hervor, 
    blieb im Kern eine Realschule, jedoch wurden in die vier fünften Klassen auch sog. (gemäß der Bildungsempfehlung der Grundschulen)  HauptschülerInnen und GymnasiastInnen aufgenommen. Versprochen wurde mehr individualisiertes Lernen als zuvor in der Realschule. - Jetzt, Sommer 2015, sind diese SchülerInnen in Kl.10 angekommen, auch wenn manche zwischendurch die Schule gewechselt haben, z.B. in Kl.8 auf ein berufliches Gymnasium oder auch auf eine "normale" Realschule. Die SchülerInnen der Klasse 10 ErKo haben kürzlich an den zentralen Realschul-Abschluss-Prüfungen des Landes teilgenommen, und - was auch die Lehrkräfte kaum erwartet hatten: Dieser Jahrgang hat so gut abgeschnitten wie kein Realschulabschluss-Jahrgang dieser Schule zuvor.

    Das Tagblatt schreibt:
    • Schüler lernen individuell: Erster "ErKo"-Jahrgang hat seinen Abschluss /
    • Zwei Drittel machen weiter bis zum Abitur
    • "Es waren recht entspannte Jahre", sagen Hanai  und Isabel. Die beiden sind Schülerinnen des ersten Jahrgangs, der die "Erweiterte Kooperation" (ErKo) an der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) komplett durchlaufen hat.
    Woran lag`s?
    Darüber werden sich die Lehrkräfte zusammen mit den Wissenschaftlern der Uni Tübingen, die den Versuch begleiten und den Kultusbehörden Gedanken machen.

    Vielleicht daran?
    Diese Gemeinschaftsschule fuhr eine Kuschelpädagogik.  ;-) 

    Was würde der römische spätantike  Philosoph Anicius Manlius Severinus Boethius (er lebte um 500 n.Chr.) zu Herrn Saurs Beitrag sagen?
    "Si tacuisses philosophus mansisses"
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    Sonntag, 24. Mai 2015

    Pfingsten 2015 n.Chr., "Coming-Out" 30 n.Chr., Irland, der Heilige Geist und die Menschenrechte


    "Pfingsten //
    sind die Geschenke am geringsten //
    während Ostern, Geburtstag und Weihnachten //
    was einbrachten." –
    Bertolt Brecht, Ein Kinderbuch
    Das stimmt für 2015 nicht. 
    Pfingsten 2015 hat sehr viel eingebracht, genauer gesagt der Tag vor Pfingsten 2015: Im katholischen Irland wehte der Heilige Geist und den Irinnen und Iren brachte er die Gleichstellung der Eingetragenen Lebenspartnerschaft mit der Ehe.
    Der italienische Kardinal Pietro Parolin (Jg. 1995), Staatssekretär und Diplomat Seiner Heiligkeit des Papstes Fransziskus, sieht das allerdings anders, für ihn war das Brausen in Irland vielleicht eher das Wehen eines teuflichen Geistes? :

    Kardinal Pietro Parolin. Quelle: Wikipedia
    Wappen des Kurien-Kardinals Parolin:
    "Was kann uns von der Liebe Gottes trennen?"
    Eine gute Frage.

    "Ich war sehr traurig über das Ergebnis",
    sagte Parolin, "und ich denke, dass das nicht nur eine Niederlage für die christlichen Prinzipien ist, sondern eine Niederlage für die Menschheit."Quelle
    Schade, dass er traurig ist. _____________________________________________________

    Nun er einmal zurück zu den Anfängen - und dann wieder zu Irland:

    Pfingsten, Jerusalem, 30 n.Chr.:

    Die Taube - Symbol für den "Heiligen Geist"
    Die Geschichte spielt ungefähr im Jahre 30 nach Christi Geburt, 50 Tage nachdem einige Frauen Jesu Grab leer vorgefunden hatten: Von Jesus weit und breit keine Spur mehr (doch, das Leichentuch soll noch in der Grabhöhle gelegen haben...), aber Jesus selber blieb verschwunden; "in den Himmel gefahren" sei er, so sagte man.
    An diesem 50. Tag also (= Pfingsten) so sagt man, wurde über seine darüber verzweifelte Anhängerschar der Heilige Geist ausgegossen.


    "Ausgießung des Heiligen Geistes" (?)  -
    Aber wer kann mit dieser Erklärung schon etwas anfangen? - Ok: Die Pfarrer_innen natürlich und die katholische Priester auch.

    Lassen wir einen katholischen Pfarrer zu Wort kommen:
    »Wie sollte ich mich daran freuen, dass der Heilige Geist offenbar die Verwirrung der Sprachen auflöst und die Menschen einander plötzlich verstehen können? Ich wusste ja, dass das wieder in den Kirchen verkündet wird, so wie heute – als ein Hinweis darauf, dass Gottes Geist wirkt: Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Wie konnte ich daran glauben [...]?«

    Und einen evangelischen:
    »Dann ist Pfingsten also das Fest der „Wiederbelebung“, der Reanimation. Das muss die Ur-Gemeinde in Jerusalem tatsächlich so erfahren haben. Denn mit dem Tod Jesu am Kreuz war in den Menschen seiner Gefolgschaft fast alles Leben erloschen. Nun aber brechen sie die verschlossenen Türen auf, stürzen hinaus ins Freie und sind nicht mehr zu bremsen. Ein Hasenfuß vom Schlag eines Petrus mausert sich zum Straßenprediger. Trauer und Resignation schlagen um in eine unglaubliche Begeisterung.«

    Pfingsten ist das Fest der Wiederbelebung, 
    das Fest der Reanimation, das Fest des Heraus-Kommens, des Aus-Sich-Herauskommens, des "Coming-Out",
    an dem die ersten Schüler_innen Jesu aus ihren Verstecken kamen (sie hatten Angst gehabt, ebenso bestraft und gekreuzigt zu werden wie ihr "Meister" Jesus). -
    Nach  7x7 Tagen der Depression, des Verzagens, des Versteckens und der Angst war am 50. Tag bei ihnen der Groschen gefallen: Sie wollten mutig sein, wollten trotz der Gefahren und auch ohne ihren anwesenden Meister weitermachen, seine Lehre, die Frohe Botschaft, verbreiten und weiter nach dieser Lehre leben. - Über diese Idee, diesen Entschluss, waren sie offenbar so überaus begeistert, dass sie wie irre oder betrunken auf der Straße getanzt haben sollen.

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    Irland, Dublin, um 1900 n.Chr.:

    Der Familienvater Oscar Wilde,
    Die heutige Flagge Irlands (Trikolore)
    wurde erstmals vom Jungen Irland als solche verwendet.
    Jahrgang 1854, (Hochzeit 1884, 2 Söhne) ging – für die damalige Zeit – relativ offen mit seiner Homosexualität um. Oscar Wildes Vater William war Irlands führender Ohren- und Augenarzt und schrieb Bücher u.a. über Archäologie und Folkloret. Seine Mutter Jane war von Beruf Übersetzerin. Sie engagierte sich im Young Ireland Movement unter dem Pseudonym „Speranza“ („Hoffnung“) und galt als revolutionäre Lyrikerin.

    Oscar Wildes homosexuellen Partnerschaften 
    führten schließlich zu einem gesellschaftlichen Skandal, drei Gerichtsprozessen und Wildes Niedergang. Oscar Wilde wurde verhaftet, wegen Unzucht angeklagt und am 25. Mai 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit verurteilt. Gesundheitlich schwer angeschlagen wurde Wilde 1897 aus der Haft entlassen und floh vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Paris. Obwohl völlig mittellos, wurde er vom Besitzer des Hotels im besten Zimmer untergebracht. Am 30. November 1900 starb Oscar Wilde im Pariser „Hotel d’Alsace“. Auf dem Sterbebett trat Wilde zur römisch-katholischen Kirche über. [Quelle: wikipedia]  

    Noch bis 1993 stand Homosexualität in Irland unter Strafe.

    Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches
     (§ 175 dStGB) existierte vom 1. Januar 1872 (Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches) bis zum 11. Juni 1994. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe.

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     Irland, Dublin, am Tag vor Pfingsten 2015 n.Chr.
     
    Nach der "Ausgießung des Heiligen Geistes" in Irland, 23. Mai 2015
    Mit deutlicher Mehrheit von 62,1 Prozent haben die Iren Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe gesagt. Für den katholisch geprägten Staat bedeutet das Votum eine Zeitenwende. Noch bis 1993 stand Homosexualität unter Strafe. Mit Irland hat das 20. Land der Welt die Ehe für gleichgeschlechtliche Ehe geöffnet,
     Irland hat per Volksabstimmung den Weg für gleichgeschlechtliche Ehen freigemacht. 62,1 Prozent der Iren stimmten für eine Verfassungsänderung, die künftig auch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht. 37,9 Prozent votierten dagegen, wie aus dem amtlichen Ergebnis hervorgeht.
    Selbst in den meisten Regionen des katholisch geprägten Landes, die als nicht sehr liberal gelten, stimmte eine Mehrheit mit Ja.
    Zu dem Referendum am Freitag (22. Mai 2015) waren 3,2 Millionen Wähler aufgerufen. Irland ist das erste Land, das weltweit über die Einführung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare abstimmen ließ. Dabei ging es um eine Änderung der Verfassung, derzufolge die Ehe bislang ausschließlich zwischen einem Mann und einer Frau möglich war. Das Geschlecht soll künftig keine Rolle mehr spielen. [Quelle: tagesschau.de]
    Dem Sender RTE zufolge stimmten in einigen Bezirken der Hauptstadt Dublin bis zu 80 Prozent dafür. "Das Thema hat einen Nerv in Irland getroffen", sagte Gleichstellungsminister Aodhan O'Riordhain. Die Wahlbeteiligung sei beispiellos. Gesundheitsminister Leo Varadkar sprach von einer "sozialen Revolution".

    Und Deutschland 2015 ?  
    In der Fragen der LGBT-Menschenrechte wird Deutschland zum Schlusslicht Europas, längst überholt von Südafrika und Uruguay. - "US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle meldeten sich selbstverständlich zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie zu Wort – im Bundeskanzleramt dagegen nur Schweigen."

    »But the battle for full human rights
    for gay, lesbian, bisexual, and transgender persons must be won not only on the floor of the Bundestag, or the U.S. Congress and Supreme Court, or the UN General Assembly or Human Rights Council, but also in the streets and public squares of our towns and cities, in classrooms, in workplaces, and in the living rooms and around the kitchen tables of our families and friends – and ultimately in the hearts and minds of people. [...] As President Obama said in his speech at the Brandenburg Gate two years ago [19. Juni 2013], “When we stand up for our gay and lesbian brothers and sisters and treat their love and their rights equally under the law, we defend our own liberty as well.” [...] «
    Quelle: Seine Exzellenz der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika, Herr John B. Emerson
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    Irland, Dublin, 1. Weltkrieg, um 1912 n.Chr.:

    Auszug aus dem Roman:
    Im Meer, zwei Jungen (Originalausgabe London 2001; Deutsche Erstauflage Luchterhand 2003). Autor: Jamie O’Neill (* 1962 in Dún Laoghaire, 10 km südlich von Dublin).

    Ein hinreißendes Epos über Liebe und Freiheit
    Irland: Allerorts brodeln politische Unruhen. Der 16-jährige Krämersohn Jim freundet sich mit dem Arbeiterjungen Doyler an. Täglich treffen sie sich an einem Badefelsen vor Dublin. Dort schließen sie einen Pakt: Doyler soll Jim das Schwimmen beibringen. Denn am nächsten Ostersonntag wollen sie zusammen zu den Felsen der Muglins schwimmen und die irische Fahne hissen. Doch dann werden die beiden Jungen von der Realität eingeholt, und die politischen Konflikte drohen, sie wieder auseinanderzureißen. Ein gefährliches, herrliches Buch: eines, das jeden dazu bringen kann, ungeniert zu lachen und zu weinen. The New York Times Book Review


    Leseprobe:

    Die Vielseitigkeit der Dinge lenkte ihn ab.
    Beispielsweise, dass es geglättete Flächen für den Verkehr gab und dass vom flachen Lande Landstraßen kamen, die, sobald sie auf die Stadt trafen, zu Stadtstraßen wurden. Zu beiden Seiten dieser Straßen verlege man zur größeren Bequemlichkeit der Fußgänger Gehsteige, von der Straße durch eine Bordkante getrennt, die idealerweise etwa zehn Zentimeter hoch ist, so dass eine Gosse entsteht, die dank der Wölbung der Straße und der vorausschauenden Ausstattung mit Kanälen die Beseitigung von Regen und Abwässern bewerkstelligt.
     

    Bitte, Sir, genug der Gehsteige: Wie steht's mit den Menschen?

    Man teile die Menschen nach Geschlechtern ein, deren es zwei geben soll:
    Männlein und Weiblein. Das Unterscheidungsmerkmal sei ihre Fortpflanzungsfunktion, wiewohl man gütigst darauf achte, dass man sich diese Funktion idealiter und nicht realiter zu denken hat: die Vorpubertären, die Zölibatären, die Kastrierten, die Nulliparen, die aus welchen Gründen auch immer Fortpflanzungsunfähigen seien nichtsdestotrotz nach Geschlecht klassifiziert. Sie sollen männlich oder weiblich sein. Weiblich oder männlich sollen sie sein, obwohl der größere Teil männlich sein soll.

    Bitte, Sir, genug des Geschlechts!
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    Deutschland, Evangelische Landes-Kirche Baden, April 2015

    Geschlecht und Beziehung

    Eine evangelische Perspektive - von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
    Ein Beitrag zum Fachtag „Es geht auch anders“ - Kirche auf dem Weg zur Gleichstellung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und Identität am 17. April 2015 in der Evangelischen Hochschule Freiburg

    Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh
    im Gespräch mit Joachim Kaiser, Campus-TV

    [...] Sexualität gehört zum Menschsein; sie ist eine gute Gabe Gottes. Wenn Sexualität gelingt, führt sie Menschen in eine innige, lustvolle Beziehung und vertieft sie. Zugleich ist sie durch Abhängigkeiten und Zwang bedroht, heute unter anderem durch den Druck, sich an bestimmte Ideale der Attraktivität oder der sexuellen Leistungsfähigkeit anzupassen.

    Fast durchgehend wird Sexualität in der menschlichen Geschichte mit der Grundunterscheidung Mann oder Frau verbunden. Aber schon in der Bibel begegnet eine Vielfalt von Lebensformen. Wenn heute über das Thema „sexuelle Vielfalt“ gesprochen wird, so geht es um Heterosexualität und Homosexualität, aber auch um Transsexualität und Intersexualität, also um Menschen, die sich selbst nicht in einer dichotomischen Unterscheidung von Mann und Frau wiedererkennen, sei es, dass bei ihnen Geschlechtsmerkmale von Mann und Frau ausgeprägt sind, sei es, dass sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Auch das Thema Asexualität, aus unterschiedlichen Gründen gelebte Keuschheit, ist Gegenstand von kirchlichen Debatten.

    Leider hat die Diskriminierung von Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung oder Identität in den Kirchen eine lange Tradition. Die klare Zuordnung zu einem der zwei Geschlechter galt als selbstverständlich, als schöpfungsgemäß oder naturgegeben; andere Formen von Sexualität wurden als Abweichungen vom Normalen gesehen und ausgegrenzt. Die Kirche folgte der gesellschaftlichen Norm, prägte und beförderte sie. [...] 
     > Der ganze Text 
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    Siehe auch: