Samstag, 29. August 2020

Berlin im Herbst. Noch herrscht Demokratie in Deutschland. Eine wüste Gemengelage...

Zum Mittag hin gibt es Unruhen an der Uni, wieder einmal — 

Gegen »Juda« und »das System«.

Herbst*, ein Braunhemd hat Hakenkreuzbänder an die Kränze des studentischen Ehrenmals gehängt, ein Linker sie wieder abgeschnitten. Hasserfüllt stehen sich die verfeindeten Lager vor dem Hauptgebäude der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität gegenüber, nur durch eine schmale Gasse getrennt, »bereit, sich jeden Augenblick aufeinanderzustürzen, wenn von irgendeiner Seite ein provozierendes Wort fiel«, wie sich ein Studienfreund Harros erinnert» Auf der einen Seite positionieren sich die roten Studenten, die Sozialisten und Kommunisten und das kleine Häuflein der bürgerlichen Demokraten. Von rechts schreien die Nazis und die mit ihnen verbündeten nationalistischen Corpsstudenten ihre Kampflosungen gegen »Juda« und »das System«. So oft schon ist der Unterrichtsbetrieb in dieser unsicheren Weimarer Republik wegen politischer Proteste lahmgelegt worden.

Quelle
Quelle

Harro** ist ein junger Student der Staatswissenschaften und hat an diesem Tag ausgeschlafen. …
Harro ist dreiundzwanzig und will die Gesellschaft radikal umgestalten, zusammen mit Henry Erlanger und den anderen. Die Lage ist polarisiert, 

die Parteien haben abgewirtschaftet und repräsentieren das Volk nicht mehr. So empfindet Harro. Aber was soll an die Stelle der Parteien treten? Was soll das überhaupt sein, das Volk?

Noch ist seine Zielsetzung diffus, und er liebäugelt auch mit rechten Positionen, unterstützt beispielsweise den Kampf gegen das »Versailler Diktat«, das Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg mit hohen Reparationszahlungen belastet. Es sind solche Querfrontgedanken, die auch sein Hirn durchziehen, antiparlamentaristische Impulse, alles noch unausgegoren.

In dieser Spätphase der Republik sind die ideologischen Fronten nicht immer eindeutig, und wenn es heißt, dass in der von ihm gegründeten und redigierten Zeitschrift - im Gegner - Texte aus allen Lagern veröffentlicht werden, führt das dazu, dass auch solche von Ernst Niekisch darin stehen, von Karl Otto Paetel und anderen Nationalbolschewisten oder von oppositionellen Nazis aus der SA. 

Auch Kommunisten, Abtrünnige der offiziellen Linie der KPD, kommen hier zu Wort, ebenso Katholiken oder auch der Vorsitzende des Berliner »Reichsbanners«, einer sozialdemokratischen Wehrorganisation.
Es ist eine wüste Gemengelage…

* Herbst 1932
** Harro Schulze-Boysen, (* 2. September 1909 in Kiel; † 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee)

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Text, leicht verändert, aus dem Buch:

Quelle

Und wie es damals weiter ging (Text wieder leicht verändert):

Harro steigt aus der Tram, da wird die Straße erneuert. Unter den Linden sind die Blätter schon braun, es wird kalt. Lockeren Schritts, Hände in den Hosentaschen, nähert er sich dem Vorplatz der Universität. Er sieht die sich gegenüber stehenden Studenten.

Harro kennt seine Pappenheimer, und jeder kennt Harro in seinem ewigen blauen Pullover. Über die ideologischen Grenzen hinweg genießt er das Vertrauen der Kommilitonen — weil er so versiert diskutiert, aber auch, weil er so blendend aussieht und etwas Seltenes besitzt, das umso nötiger ist in einer Zeit, die nach Orientierung sucht: Charisma.

Während die Kampflust die Gemüter auf beiden Seiten verkrampft, behält er seine liebenswürdige und heitere Ausgeglichenheit: Ein Braunhemd nach dem anderen begrüßt er mit Handschlag, fragt, worum es gehe. Seelenruhig hört er sich die Geschichte von den abgeschnittenen Hakenkreuzbändern an. Nein, er ist kein Freund der Nazis, er findet sie zu dumpf, lehnt ihren Antisemitismus strikt ab, doch er kann auch mit solchen Leuten reden.

Als Nächstes spaziert er auf die Seite der Linken, wo lauthals die Internationale ertönt, schüttelt auch hier jedem die Hand. Es ist die Seite, die ihm selbst zusagt: Er liest Karl Marx und kann sehr wohl unterscheiden zwischen einem internationalistisch orientierten Streben für eine gerechtere Gesellschaftsordnung, in der alle Zugang zu Bildung, Wohnraum und medizinischer Versorgung haben sollen, und dem rechtsextremen und antisemitischen Gehabe der Nationalsozialisten mit ihrem Ziel der Spaltung und Abgrenzung.

Mittlerweile sind die Parolen auf beiden Seiten verhallt. Alle schauen ihn an, auch der Rektor, und wie jeder instinktsichere Revolutionär packt Harro die Gelegenheit beim Schopf und verteilt erneut Shakehands, abwechselnd nach beiden Seiten jetzt, löst den Konflikt dadurch auf. 

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Der Autor des Buches, Norman Ohler, schreibt in der Vorbemerkung: 

"So merkwürdig, damatisch oder unwahrscheinlich einige der hier folgenden Ereignisse auch klingen: Es handelt sich nicht um einen fiktionalen Text. [...]"

20+5 Pfennig-Sondermarke der DDR-Post 1964
Quelle


Sonntag, 16. August 2020

Heinsberg, Schweden und Corona - Mai bis August 2020

Als alles anfing mit Covid19 und noch neu war, im Frühjahr 2020, gab es diese Karnevalsfeier und die anschließende Studie in Heinsberg:

"Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als Brennpunkt für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort zu einer in Deutschland frühen und massenhaften Ausbreitung des Erregers. Im Rahmen der Studie hatte ein Forschungsteam um Prof. Dr. Hendrik Streeck und Prof. Dr. Gunther Hartmann von der Universität Bonn in der Ortschaft Gangelt eine große Zahl von Einwohnern befragt, Proben genommen und analysiert. Dabei wurde unter anderem erstmals die Sterblichkeitsrate der Infektion genau bestimmt." [Quelle 4. Mai 2020: Uni Bonn]

Was waren die wichtigsten Ergebnisse der Studie? 

Prof. Hendrik Streeck: 

"Insgesamt 600 zufällig ausgewählte Haushalte in Gangelt wurden angeschrieben und gebeten, an der Studie teilzunehmen. 405 Haushalte haben sich bereiterklärt, mitzumachen. Insgesamt 919 Teilnehmer gingen in das Endergebnis mit ein."
„Im Zentrum der Studie steht die Infection Fatality Rate (IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Aus den Daten wurde weltweit erstmalig errechnet, dass die IFR von SARS-CoV-2 bei 0,37% liegt." [a.a.O.] 

[Anm.: = Rein statistisch sterben 0,37% der Infizierten:
In der Infektionsepidemiologie ist der Fall-Verstorbenen-Anteil oder (umgangssprachlich) Fallsterblichkeit eine statistische Maßzahl, die die Letalität einer Krankheit aus empirischen Daten schätzt, also die Wahrscheinlichkeit zu versterben unter der Bedingung, zuvor erkrankt zu sein. Der CFR = Fall-Verstorbenen-Anteil gibt den Anteil der Personen mit einer bestimmten diagnostizierten Erkrankung an, die an dieser Erkrankung sterben. Eine hohe Dunkelziffer nicht diagnostizierter Fälle lässt den Fall-Verstorbenen-Anteil (CFR) jedoch höher erscheinen als die tatsächliche Letalität der Krankheit.
Eine verwandte Maßzahl ist der IFR, der Infizierten-Verstorbenen-Anteil, der bei den Fallzahlen auch nicht diagnostizierte Fälle einschließt, was durch epidemiologische Modellrechnungen abgeschätzt werden muss. - In den Medien ist vielfach von einer „Sterberate“ die Rede. Definition und Bezugsgröße (z. B. CFR oder IFR) wird dabei aber häufig nicht genannt, vermischt und verwechselt.[Wikipedia]

In Heinsberg waren bis Juni 2020 460 Personen der ca. 11.000 EinwohnerInnen nachweislich infiziert, 12 Personen waren bis dahin gestorben. CFR(!) = 2,6%].

Prof. Streek: "Je nach mathematischen Korrekturverfahren schwankt sie [die Infection Fatality Rate (IFR!)] zwischen 0,24% und 0,43%.

Bei etwa 15 Prozent aller untersuchten Personen wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die bisher bekannte Infektionsrate in der Gemeinde Gangelt lag bei 3%. Dies bedeutet, dass fünf Mal so viele Personen in der Gemeinde Gangelt infiziert waren, wie ursprünglich ermittelt. ---
Es wurden neben Einzelpersonen auch Haushalte untersucht um herauszufinden, ob es einen Familienclustereffekt gibt. Die Studie zeigt, dass wenn ein Haushaltsmitglied infiziert ist, die Infektionswahrscheinlichkeit für eine weitere Person abhängig von der Haushaltsgröße über dem durchschnittlichen Infektionsrisiko von 15% liegt, z.B 20% darüber bei 3-Personen Haushalten. Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab." [Am angegeben Ort] 

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

 

Es gab einigen Wirbel um die Studie zu der Zeit. Wobei die Studie und ihre Ergebnisse selber ganz in den Hintergrund gerieten. Im Vordergrund stand die begleitende kommerzielle Vermarktung durch die Kommunikations-Agentur Story-Machine.

Hendrik Streeck:
"Aus meinem Blickwinkel ist das eine unheimlich wichtige Studie gewesen, die in kürzester Zeit wirklich solide Daten zur Pandemie zur Infektion gezeigt haben. Aber in dem ganzen, in der
ganzen Debatte ging es ja eigentlich dann um die Verpackung vom Eis und nicht, wie das Eis selber schmeckt. Es ging um die Medien, es ging um einen Zwischenbericht. Es ging um die Pressekonferenz, es ging um eine, die die PR-Agentur. Was am Ende bleibt: Eine Rüge des deutschen PR-Rats gegen Storymachine". ---- [Quelle]
"[...] Der Rat spricht allerdings eine Rüge gegen Storymachine aus wegen der Rufschädigung des Berufsstands durch unprofessionelles Verhalten."  [Quelle DRPR]

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Und nun, August 2020, sieht das so aus:

Die Statistik:

Die Presse [spiegel.de] schreibt:

  • China meldet die höchsten Fallzahlen seit drei Monaten, 
  • das Auswärtige Amt rät erneut von Reisen in Teile Spaniens ab, 
  • Italien will den Ausnahmezustand verlängern, 
  • in Israel regt sich Widerstand gegen Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, nachdem die Corona-Neuinfektionen einen neuen Rekordwert erreicht haben. 
  • Und in Australien gilt nach der Metropole Melbourne nun auch die größte Stadt Sydney als neuer Hotspot. 
  • Nicht nur in Deutschland stieg die Zahl der Corona-Infektionen zuletzt wieder bedenklich, 
  • die Meldungen aus aller Welt dokumentieren: Das Coronavirus bleibt gefährlich, eine erneute Ausbreitung ist jederzeit möglich.
  • Siehe auch: Vor sechs Monaten breitete sich das Coronavirus rasant in Europa aus. Die Länder reagierten ganz unterschiedlich darauf - mit entsprechenden Konsequenzen. Eine Bilanz der ersten Pandemiewelle in Zahlen.

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Und was macht Schweden Mitte August 2020?

"Um 8,6 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal geschrumpft, haben die Statistiker vermeldet. In normalen Zeiten wäre das ein verheerender Einbruch. 

In Corona-Zeiten ist Schweden damit ökonomisch fast schon ein Vorzeigestaat - verglichen mit Ländern wie 

  • Deutschland (-10,1 Prozent), 
  • Frankreich (-13,8 Prozent), 
  • Spanien (-18,5 Prozent) 
  • oder der EU insgesamt, deren Wirtschaftsleistung im Pandemie-Quartal April bis Juni wohl um fast 12 Prozent abgerauscht ist.

Schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres, als es losging mit Corona, hatte Schweden besser abgeschnitten als der Durchschnitt. Und so erwarten führende Ökonomen, dass die Skandinavier das Pandemiejahr 2020 mit einem viel geringeren Minus abschließen werden als die meisten übrigen europäischen Staaten. 

  • Es ist großer Erfolg - ein zweifelhafter allerdings. Bezogen auf die vielen Covid-19-Toten scheint das Land für seine relativ stabile wirtschaftliche Lage einen hohen Preis zu zahlen."

Quelle: spiegel.de 12. August 2020, 10:46 Uhr


Samstag, 1. August 2020

Corona - Covid 19 - Demos & Videos: Mündige BürgerIinnen und/oder „Covidioten“?

Anfang August 2020:

Berlin: Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen aufgelöst-
USA: Facebook, YouTube und Twitter haben mehrere Videobeiträge gelöscht, 

die eine Art Pressekonferenz einer Gruppe mit dem Namen "America’s Frontline Doctors" dokumentieren. In den Videos fallen vor der Kulisse des amerikanischen Verfassungsgerichts zahlreiche gefährliche Falschaussagen über das Coronavirus. (Quelle)

"In Berlin sind zwei Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen vorzeitig aufgelöst worden. Die nach Schätzungen der Polizei etwa 20.000 Teilnehmer wurden aufgefordert, den Ort zu verlassen – viele kamen der Anordnung jedoch bisher nicht nach. ... An dem Demonstrationszug hatten sich Friedensbewegte, Alternativniks, Techno-Fans, Impf­gegnerInnen, EsoterikerInnen, Ver­schwörungs-"TheortikerInnen", stramme Neonazis und andere Menschen Seit an Seit beteiligt.(Quelle) Sie gaben sich durch entsprechende Symbole auf Kleidung und Bannern zu erkennen. Die Veranstalter riefen die Menschen auf, sich zu einer Sitzblokade am Reichtstagsgebäude zu versammeln. ...
Vor dem Brandenburger Tor fanden Gegendemonstrationen des „Berliner Bündnisses gegen Rechts“ und weiterer Gruppierungen statt." Quelle
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Die Menschen, die das Video "Die Zerstörung des Corona-Hypes" 
des Psychologie-Studierenden Sebastian prima finden, werden sich auch über diese Demos freuen. Das Video dauert 59 Minuten und zeigt einige! Ungenauigkeiten in der Berichterstattung der Medien auf, die es in der Tat gibt - und erfreut sich daran! Ja: Schade, wenn Medien nicht sorfältig recherchieren. Auch schade, wenn andere Medien das ausnutzen und sich darüber freuen. 

Siehe dazu auch:
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 State of the art

  • Dass eine zweite Coronawelle kommt, mit Infektions- und Todeszahlen wie im Frühjahr 2020, lässt sich nicht komplett ausschließen. Doch immerhin: Neue Erkenntnisse aus der ersten Welle deuten darauf hin, dass das Gesundheitssystem auch in diesem Fall nicht an seine Grenzen käme.
Im Fachmagazin The Lancet Respiratory Medicine veröffentlichten Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Berlin, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) Mitte dieser Woche eine umfangreiche Datenanalyse.
Sie gibt erstmals bundesweit und repräsentativ Aufschlüsse darüber, wie lange Coronapatient*innen im Frühjahr durchschnittlich im Krankenhaus behandelt wurden – und mit welchem Erfolg.
  • Demnach starb etwa ein Fünftel derer, die zwischen Ende Februar und Mitte April stationär aufgenommen wurden.
  • Die große Befürchtung aber, dass die Intensivstationen den vielen Infizierten womöglich nicht gewachsen sein könnten und dass deswegen gar zwischen Patient*innen triagiert werden müsse, hat sich nicht bestätigt:
  • „Wir können davon ausgehen, dass in Deutschland alle Patien­ten beatmet werden konnten, bei denen das therapeutisch notwendig erschien“, sagt Christian Karagiannidis, Sprecher der Divi-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“. Zu jedem Zeitpunkt der Pandemie hätten genügend freie Intensivbetten zur Verfügung gestanden.
Christian Karagiannidis, Lungenfacharzt:
  • „Wir können davon ausgehen, dass in Deutschland alle Patienten beatmet werden konnten“
Durchschnittlich 14 Tage mussten Covid-19-Patient*innen im Krankenhaus behandelt werden. Wer beatmet werden musste, lag im Schnitt 25 Tage in der Klinik, 14 davon am Beatmungsgerät.
Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin, hat anhand der Zahlen ausgerechnet: Pro 100 stationär behandelten Patient*innen fielen durchschnittlich 240 Beatmungstage an.
Die Erkenntnisse, so Busse, seien nützlich, um sich bestmöglich auf eine etwaige zweite Welle vorzubereiten.
  • Grund zur Panik sieht er nicht: „Bezüglich der normalen Krankenhausbetten ist auch bei hohen Infektionszahlen überhaupt kein Problem zu erwarten.“ [Quelle]

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Siehe auch:
Spektrum.de (ehemals Wissenschaft-Online), das Online-Wissenschaftsportal der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft

Wie entwickelt sich die Coronavirus-Pandemie?
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Und vielleicht hören dann Leute wie dieser Student auf zu schwätzen.

Das tragische ist, dass eine sehr erfolgreiche Corona Politik, die zu sehr wenig Toten in Deutschland führte, im Land selber nicht so positiv gesehen wird wie vom Rest der Welt. 
Es ist vielen Deutschen gar nicht klar, dass viele Deutschland beneiden und gerne eine ähnlich effizient geführte Regierung hätten. ... Die Handhabung der Krise durch die Deutsche Regierung wird als geradezu vorbildlich angesehen. Jetzt wird von manchen Klugschwätzer behauptet, man hätte die ganzen Maßnahmen ja garnicht gebraucht. 

Ich habe das Video ["Die Zerstörung des Corona-Hypes"] beendet als er Schwachsinn über die Grippeimpfungen verbreitet hat und so tut als ob Corona nicht gefährlicher sei als die übliche Grippe.
Leider denke ich, es ist nicht wahrscheinlich, wir haben vor dem kommenden Winter einen Corona Impfstoff ( falls doch dann wäre es eine super Sache), und daher werden wir im kommenden Winter wieder mehr Fälle und mehr Tote haben. 


Und vielleicht hören dann Leute wie dieser " Student" ... auf zu schwätzen.
Ich arbeite ja schon seit 1995 als Arzt und auch davor im Krankenhaus, um Geld zu verdienen. Ich habe also schon genug Grippewinter hinter mir. Wer mir da erzählen will, das ist alles nicht so wild mit dem Virus, weiss nicht von was er redet. Und leider reden besonders viele in Deutschland immer mehr wirreres Zeug. Aber das ist halt so mit der Demokratie, jeder kann sagen was er will, auch wenn er/sie eigentlich nichts zu sagen hat, aber man kommt dann mal ins Fernsehen oder in die Zeitung.
Wenn ich so lese was dieser irre Veganer Koch von sich gibt dann muss man sich fragen warum ihn irgendjemand ernst nimmt[...].

Dr. S., Cambridge, Ärzte ohne Grenzen.
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Ja, Doch aktuell ist noch nicht ganz klar, was der gültige Irrsinn ist
Ja. Leider ist aktuell noch nicht wirklich klar, was der aktuell gültige Irr-Sinn
und was der Sinn. Man wird sehen.



Siehe auch:
Im Herbst 2019, kurz vor Beginn der Corona-Krise, wurde die ZDF-Serie "Sløborn" unter anderem auf der Insel Norderney und in der Danziger Bucht gedreht. Es entstand ein Viren-Thriller von brisanter Aktualität. Die Idee zu der ZDF-Serie „Sløborn“ entstand schon vor der Ausbreitung des Coronavirus. Von Corona und Covid19 war zu dem Zeitpunkt noch keine Rede. Die Infektion heißt in der Serie "Tauben-Grippe". Dort wird die Bundeswehr eingesetzt, um die Schutz-Maßnahmen durchzusetzen. Das erinnert einerseits an die derzeit recht liberalen Handhabungen in Deutschland, zum Beispiel bei der Kundgebung mit ca. 20.000 TeilnehmerInnen - zumeist ohne Maske und Abtstand - in Berlin Anfang August 2020. Aber auch an die Einsätze von Bundes-Truppen in den USA durch Präsident Trump gegen DemonstrantInnen in einigen Bundesstaaten (Portland, Oregon) der USA. -

Portland/USA vom 19. auf den 20. Juli 2020. Quelle: a.a.O.

TV-Kritik


Donnerstag, 4. Juni 2020

Grippe-Tote (Influenza), Corona-Tote (SARSCoV-2): "Es werden weitere Viren kommen"

"Es werden weitere Viren kommen"
sagte der Evolutions-Biologe Prof. Josef H. Reichholf, der auch für einige mehr oder wenige steile Thesen bekannt ist.
"Wir wissen, dass er kommt irgendwann, aber wir unternehmen nichts dagegen. Mit dem Weitermachen wie bisher werden die nächsten Wellen kommen und zwar in schnelleren Abständen. Nicht wie bisher in Abständen von 10 oder 15 Jahren, sondern immer schneller werden sie kommen. Das weiß man, das ist wissenschaftlich allerbestens erforscht. Wir wissen auch, dass wir keine Chance haben, wenn ein neues oder auch ein mutiertes Virus über die Menschheit herein bricht, schnell genug einen Impfstoff entwickeln zu können.

Und trotzdem

wird, weil die politische Einflussnahme dieser Kreise, die so whnwitzig viel damit verdienen, nichts dagegen unternommen, und das ist zutiefst menschenverachtend."
[Diskussions-Mitschrift Juni 2020]
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Zu Anfang des Jahres sagte ich es auch:
  • »Am "normalen" Grippe-Virus (Influenza, "echte Grippe") sterben in Deutschland mehr Menschen als am Corona-Virus.«
  • Und das stimmt auch.
  • Manchmal! - 
Diese Grafik zeigt die absolute Zahl
der gemeldeten Corona-Todesfälle
bis zum 3. Juni 2020.
Weltweit sind es 380.662.
Im Jahr 2020 stimmt es nicht.
In der diesjährigen Grippewelle in Deutschland, die 11 Wochen dauerte und Mitte März 2020 abklang, wurden bis Anfang April "nur" 411 Tote registriert. (RKI/ Robert-Koch-Institut)
Corona-Tote waren es in Deutschland bis Anfang Juni über 8.000 (siehe Grafik).

2017/18 stimmte es.

Die außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 hat nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet (= 306 Todesfälle pro 1 Million EinwohnerInnen).
Das entspricht in etwa den Coronatoten-Quote in den USA bis Anfang Juni 2020.

Das sei die höchste Zahl an To­des­fällen in den vergangenen 30 Jahren gewsen, so der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, heute mit Blick auf eine eigene aktuelle Auswertungen erklärte. Es gebe auch saisonale Wellen mit wenigen Hundert Todesfällen - so wie offenbar in der aktuellen Grippe-Saison 2020, in der sich 4,3 Millionen Menschen mit grippalen Beschwerden in einer Arztpraxis vorstellten.
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  • Wenn man die absoluten Zahlen der Corona-Todesfälle, die sich in den beiden Grafiken finden, umrechnet in Todesfälle pro 1 Mio EinwohnerInnen, dann ergeben sich die folgenden Quoten (Stand 3. Juni 2020): 

Zahl der gemeldeten Corona-Todesfälle pro 1-Million EinwohnerInnen:

Grafik:
Absolute Zahlen
  • Belgien 832 pro 1.000.000 (1 Mio)
  • Spanien 581
  • Italien 555
  • Frankreich 432
  • Schweden 439
  • USA 325 (weniger, als ich nach dem Medienrummel gedacht hatte)
  • Brasilien 149 (bzw. 154, siehe unten* = weniger, als ich nach dem Medienrummel gedacht hatte)
  • Deutschland 103
  • Dänemark 100
  • Japan 7
  • Südkorea 5 
*Nachtrag 5. Juni 2020 (tagesschau.de):
"In Brasilien gaben die Behörden laut der Nachrichtenagentur AFP sogar an, dass innerhalb eines Tages fast 1350 Menschen starben, die positiv auf das Virus getestet worden waren. Das sind so viele Opfer wie nie zuvor in so kurzer Zeit. Damit stieg die Zahl der Corona-Toten in dem Land nach Angaben der Johns Hopkins-Universität auf mehr als 32.500 an. Mehr als 584.000 Einwohner hätten sich bisher mit dem Virus infiziert. Damit ist Brasilien hinter den USA das Land mit den weltweit meisten Corona-Fällen." (Das sind dann, bei gut 211 Millionen EinwohnerInnen, 154 Todesfälle pro 1 Million Menschen).
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Grippe. Gemeldete Todesfälle pro 1-Million EinwohnerInnen  (Influenza, "echte Grippe")
aerzteblatt.de 4. Juni 2020

411 Todesfälle in in Deutschland in der Grippesaison 2020 insgesamt: Das sind 5 Todesfälle pro 1 Million EinwohnerInnen, was in etwa der aktuellen Corona-Sterbe-Quote in Südkorea und Japan 2020 entspricht.

Das höchste Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle bei der "echten" Grippe haben ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle kann bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert - wie im Jahr 2020 - bis deutlich über 20.000 - wie zwei Jahre zuvor (2017/18).
  • 25100 Todesfälle wegen echter Grippe in 2017/18 in Deutschland, das war (bei 82 Millionen EinwohnerInnen in Deutschland), eine Quote von 306 Todesfällen pro 1 Million EinwohnerInnen.
Was wiederum ungefähr der aktuellen Corona-Todesquote in den USA entsprechen würde.

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Und was macht Schweden?
»Schweden beschreitet in der Corona-Pandemie einen anderen Weg als die meisten Länder. Der Chef-Epidemiologe des Landes äußert sich nun sehr selbstkritisch: Es seien zu viele Menschen zu früh gestorben.
Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat sich selbstkritisch über den schwedischen Sonderweg in der Corona-Krise gezeigt. Schweden hätte schon von Beginn an mehr Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreifen sollen, sagte Tegnell in einem am Mittwoch [3. Juni 2020] veröffentlichten Interview mit dem schwedischen Radio.
"Ich glaube, dass es sicherlich Verbesserungspotenzial bei dem gibt, was wir in Schweden gemacht haben, klar. Und es wäre gut gewesen, wenn man exakter gewusst hätte, was man schließen soll, um die Infektionsausbreitung besser zu verhindern."
Zu viele Schweden seien zu früh gestorben.« [Quelle]
Und was machen die Lebenden?
Die Coronakrise schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Die Kurzarbeit ist so hoch wie nie.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist von April auf Mai 20020 um 169.000 Menschen gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg am Mittwoch (3. Juni) mit.
  • Die Arbeitslosenquote stieg damit um 0,3 Punkte auf 6,1 Prozent. Im Vergleich zum Mai 2019 lag die Zahl der Arbeitslosen um 577.000 höher.
  • Nach Hochrechnungen der Bundesagentur nahmen allein im März – dem Monat, als der coronabedingte Lockdown begann – 2,02 Millionen Menschen Kurzarbeit in Anspruch. Dies ist der höchste jemals gemessene Wert.
Der bisherige Rekord stammt aus dem Mai 2009, als in der damaligen Finanzkrise 1,44 Millionen Menschen Kurzarbeit in Anspruch genommen hatten. (taz/afp/dpa)


Quelle: Wikimedia - CDC/ Alissa Eckert,
MS; Dan Higgins, MAM [Public domain]

Samstag, 23. Mai 2020

Die fortschrittlichen islamischen Herrscherinnen ließen die Männer tanzen


Muslimische Frauen  haben einmal die Provin Bhopal in der britischen Kolonie Indien regiert.

Nawab, das war der typische Titel für einen männlichen muslimischen Herrscher auf dem indischen Subkontinent. (Die nicht-islamischen Fürsten Indiens kennen wir unter dem Titel "Maharaja".) Die Frauen unter den Nawabs führten den Titel "Begum".

Bhopal war bis 1949 der zweitgrößte Staat des Subkontinents,
in dem Muslime herrschten und ist heute die Hauptstadt der zentralindischen Provinz Madhya Pradesh. Bekannt wurde Bhopal in der jüngeren durch eine der größten Katastrophen in der Geschichte der industriellen Chemie. Im Werk einer Tochtergesellschaft der Union Carbide Corporation, wurden rund 40 Tonnen Methylisocyanat (MIC) in die Atmosphäre freigesetzt und trieben in einer Giftgaswolke dicht über dem Boden durch ein angrenzendes Elendsviertel und betraf etwa eine halbe Million Menschen.

Ende des 17. Jahrhunderts eroberte der pastunische Afghane Dost Muhammad Khan 
(1672–1740), "ein opportunistischer Glücksritter, Ex-Soldat und ehemaliger General des Großmoguls Aurangzeb" (1618–1707) das Gebiet, um auf den Trümmern des zerfallenen Mogulreiches seinen eigenen Staat Bhopal zu errichten.
Im Jahre 1723 wurde der Ort Bhopal zur Hauptstadt des Fürstenstaats erklärt und blieb es bis 1956. Die von Dost Muhammad Khan gegründete islamische Dynastie im mehrheitlich hinduistischen Indien sollte zu einer der bedeutendsten Herrscherfamilien Zentralindiens werden. - Als Shajahan, die dritte von vier Herrscherinnen(!), 1868 den Thron bestieg, hatten die Begums Bhopal bereits zu einem modernen und erfolgreichen Staat gemacht
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  •  Von 1820 bis 1926 regierten in Bhopal ausschließlich Frauen. 

Die vier Fürstinnen (Großmutter, Mutter, Tochter, Enkelin) ließen nicht nur noble Bauwerke wie Paläste und Moscheen errichten, sondern u.a. auch Wasserwerke, ein Eisenbahn-  und ein staatliches Post-System, eine Girls-School, eine Universität ... .
Die drei Moscheen aus Sandstein prägen noch heute das Stadtbild Bhopals.

Quelle
Die Jama-Masjid-Moschee mit ihren roten Sandsteinmauern und gedrungenen Minaretten wurde im Jahre 1837 auf Veranlassung von Qudsia Begum (1801–1881), der ersten weiblichen Herrscherin von Bhopal, erbaut. Qudsia hatte im Jahr 1819 nach der Ermordung ihres Ehemannes auf Druck ihrer energischen Mutter die Herrschaft übernommen. Der Familie waren die männlichen Erben ausgegangen. Daraufhin habe die Witwe des ermordeten Fürsten, Mamola Bai, ihre Tochter kurzerhand zur Thronfolgerin erklärt. Diese war zu der Zeit 18 Jahre alt. Sie selber, die Fürsten-Witwe Mamola Bai, war die erste Frau, die in Indien einen Staat regierte.
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"Nach islamischer Tradition ist es den Frauen nicht erlaubt, an der Regierung teilzuhaben.
Ihre Gegner fingen sofort an, dagegen schwere Geschütze aufzufahren: Den Koran, den Islam. Sie scherte sich nicht darum und es gelang ihr sogar, eine Fatwa, ein Rechtsgutachten vom obersten Mufti und Religionsgelehrten Bhopals zu erhalten, in dem bestätigt wurde, dass nichts im Islam der Herrschaft einer Frau entgegenstehe. Mit diesem Gutachten in der Hand setzte sie ihr Anliegen durch, die Thronfolge ihrer 18 Monate alten Tochter Qudsia. Und sie sagte: Wer daran rüttelt, kriegt es mit mir zu tun. So begann sie selbst zunächst als Regentin über Bhopal zu herrschen." (Quelle: Feature Marc Thörner, DLF 2008)

"Qudsia Begum – die kleine Tochter, die dank der Beharrlichkeit ihrer Mutter auf den Thron gelangt war – bescherte Bhopal Mitte des 19. Jahrhunderts eine Blütezeit. Als sie am Ende ihrer Herrschaft stand, hatte auch sie wieder über die Thronfolge zu entscheiden.

Mit einem Blick auf die in Frage kommenden Prinzen musste die Fürstin feststellen, dass die Männer der Familie entweder korrupt, geistig zurückgeblieben, den Prostituierten oder dem Alkohol verfallen waren. Frauen, so schlussfolgerte sie, seien gegen derartige Versuchungen offenbar besser gefeit und bestimmte ihre Tochter Sikandar zur nächsten Herrscherin.
Die folgte Mitte des 19. Jahrhunderts dem inzwischen bewährten Prinzip und setzte ihre Tochter Shajahan als Kronprinzessin ein." (a.a.O.)
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Thronfolgerin und Ur-Enkelin Abida Sultaan (1913-2002), die die fünfte Begum geworden wäre, verzichtete nach der Unabhängigkeit und der darauf folgenden Aufteilung Indiens in das muslimische Pakistan und das hinduistische Indien auf die Nachfolge und emigrierte 1950 nach Pakistan.
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1932 in London. "Prinzessin Abida Sultaan"
ist die zweite Person von rechts.
Ganz links ihr Vater.  Quelle
"Prinzessin" Abida:  
Die Mehrheit unserer Mitarbeiter bestand aus Hindus, denn die Bevölkerung Bhopals war zu 88 Prozent hinduistisch oder nicht-islamisch. Nur eine kleine Herrschaftselite bestand aus Muslimen.Unser Premierminister war ein Hindu. Unser Finanzminister war ein Hindu. Die Mehrheit unserer Mitarbeiter bestand aus Hindus.

In Pakistan sagte sie am Ende ihres Lebens über die Politiker Pakistans: Was wissen die von Demokratie? 

Das sind alles Sklaventreiber. Selbstsüchtig. Korrupt. Sklaventreiber, weiter nichts. Alles, was in Pakistan jemals gewählt wurde, ist Geld. - Geld, darum geht es, das ist alles. Wer am meisten bezahlt, bekommt die Stimme. Sogar Minister wechseln über Nacht die Partei. Die haben keine Prinzipien. Keine Bildung. Es herrscht eine Sklaven- und Sklaventreibermentalität. Ein völliger Mangel an Selbstachtung. Keine Spur von Schamgefühl. 
Die Demokratie sei für die Muslime schon nach dem Tod Mohammeds zu Ende gewesen, schon bei der Schlacht von Kerbela, im Jahre 680, als die Anhänger Alis, die Schiiten, und die Anhänger der Mehrheitsrichtung der Omajaden ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Waffe in der Hand austrugen. 
Der Trend entwickle sich in Richtung Fundamentalismus. Mit ihrem baldigen Tod werde eine weitere Erinnerung an einen fortschrittlichen Islam dahin gehen. [a.a.O.]
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Die Großmutter von Prinzessin Abida (Sultanjahan Begum) galt als Förderin der Bildungsreformen.
  • Aus dem Taj-Mahal-Palast in Bhopal machte sie die "Sultania Girls School" und finanzierte das "Alighar College", die erste Universität in der islamischen Welt, in der außer Koran und islamischem Recht auch alle gängigen modernen Studienzweige gelehrt wurden.
Quelle

Ihren jüngsten Sohn, Hamidullah, 
(den Vater von Prinzessin Abida, auf dem Foto 1932 in London ganz links) hatte sie zum Studium auf eben diese Universität geschickt.
Hamidullah knüpfte dort auch Kontakte mit den Führern der All-India Muslim League und der Kongresspartei, mit Jawaharal Nehru (erster Ministerpräsident des unabhängigen Indiens), Mahatma Gandhi, Muhammed Ali Jinnah (Gründer des Staates Pakistan) und den anderen "Alighar Boys" von der gegen England gerichteten Unabhängigkeitsbewegung. - Die Kongresspartei ist eine 1885 von Hindus und Muslimen sowie auch einigen Briten im damaligen Britisch-Indien gemeinsam gegründete indische Partei. Ziel der Partei war es, eine stärkere Teilhabe von gebildeten Indern an der politischen Machtausübung in Britisch-Indien zu erreichen.

Prinzessin Alina über ihren Vater Hamidullah:
Er sprach die ganze Zeit davon, dass ich diejenige bin, die Bhopal in Zukunft regieren werde. Und ich erwiderte ihm jedes Mal, dass der Staat nicht fortbestehen wird. (/) Wie kann der Staat weiterbestehen, wenn du sagst: Der Imperialismus ist zu Ende. Wenn du selbst geholfen hast, den Imperialismus zu beenden. Stell dir vor: Du hast die Briten rausgeworfen, weil du für Demokratie bist. OK – stell dir vor, dass sie weg sind. Und jetzt sagst du, dass du dableiben willst? 600 kleine Fürstenstaaten? Auf welcher Grundlage? Halb Indien wird eine Demokratie und die andere Hälfte besteht aus 600 unabhängigen Staaten? Das hatte keine Logik für mich. Ich sage: Das klappt nicht. Der Staat bleibt nicht bestehen. 

Sultania Girls School
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Screenshot Google-Picture-Suche

"Nach der Unabhängikeit Indiens baute Abida sich ein neues Leben als Politikerin in Pakistan auf.
  • Dort wollte sie das vollenden, was ihre Vorfahrinnen, die Begums, und zuletzt auch ihr Vater Hamidullah  in Bhopal vorangetrieben hatten: Die Muslime Indiens in die Moderne führen. Jetzt im Rahmen einer parlamentarischen Demokratie. Nach dem Tod des pakistanischen Staatsgründers, Muhammed Ali Jinnah, engagierte sie sich bis in die 60er Jahre an der Seite von dessen Schwester.

Abida:
Quelle
Ich arbeitete sehr hart für die Wahl Miss Jinnahs, so hart ich konnte.
Die Wahlen (1965) wurden gefälscht. Miss Fatima Jinnah wurde zur Verliererin und der Gegenkandidat Ayub Khan zum Sieger erklärt. Das brach mir das Herz. Schon während des Wahlkampfes bekam ich eine Gelegenheit, die großen politischen Führer des neuen Landes zu beobachten. Sie hatten kein Gewissen. Es waren Lügner.

Ich sah zu viel, ich beobachtete zu viel. Und es grauste mir immer mehr vor der abgrundtiefen Heuchelei, die das ganze Land beherrschte. Die großen Führer – nicht einer von ihnen war aufrichtig, nicht einer von ihnen war seriös. Bei einem Treffen, dem ich beiwohnte, als Präsidentin der Karachi Muslim League, diskutierten Miss Jinnahs eigene Parteifreunde, wie sie sie nach einer gewonnenen Wahl für verrückt oder amtsunfähig erklären lassen würden. [Marc Thörner a.a.O.] 
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"Obendrein hat Iskandar [wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtmuseums Bhopal] sich ein Ziel gesetzt, das ihn, den Angehörigen einer kleinen Minderheit, noch einsamer macht: Die fortschrittlichen Aspekte des Islam aus ihrer Versenkung zu befreien – ein recht romantisches Unterfangen im Indien von heute, geprägt von Kaschmirkrise, Terrorangst und dem latenten Konflikt mit dem muslimischen Nachbarn Pakistan." 
[Marc Thörner a.a.O.]


Siehe auch:

Samstag, 25. April 2020

Corona (Covid-19), die Schweinegrippe und die WHO


Coronavirus: USA stellen Zahlungen an WHO ein

tagesschau.de, Stand: 15.04.2020 03:09 Uhr:

US-Präsident Trump hat den Stopp von US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation angekündigt. ...
Die in Genf ansässige WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich. Ihr Budget besteht nach Angaben der Organisation zu weniger als einem Viertel aus den verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis aber der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar fällig. Deutschland muss derzeit 29 Millionen US-Dollar pro Jahr zahlen. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge hängt laut WHO von der Bevölkerungsgröße und dem Wohlstand des Landes ab. [Quelle]
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Quelle

Damit wird die WHO jetzt noch abhängiger von privaten Geldgebern mit eigenen Interessen wie Bill Gates, dem reichsten Mann der Welt – meint Thomas Gebauer, Geschäftsführer der Gesundheitsorganisation Medico International. Thomas Gebauer: Wenn Bill Gates morgen sagt, „ich habe kein Interesse mehr an Gesundheit; ich investiere mein ganzes Geld in Erziehungsfragen, zum Beispiel“, wäre die WHO am Ende. Er könnte es machen. Niemand könnte ihn daran hindern. Tatsächlich steckt die WHO in einer tiefen Krise:  Den Großteil ihres Budgets
muss sie inzwischen aus zweckgebundenen Spenden bestreiten. Und große Spender wie Microsoft-Gründer Gates zwingen der WHO ihre Agenda auf.
Quelle

Zu 80 Prozent ist die WHO mittlerweile abhängig von Spenden wohlhabender Regierungen, Stiftungen und Pharma-Unternehmen.

Es war einmal:
Früher bestritt die WHO ihre Ausgaben überwiegend mit Pflichtbeiträgen der Mitgliedstaaten, die sich nach deren Bevölkerung und Sozialprodukt bemaßen.
1993 jedoch setzten die USA unter George Bush durch, dass die Pflichtbeiträge der Staaten eingefroren wurden. Und ihr Anteil am Budget der WHO sank daraufhin kontinuierlich – auf heute gerade noch 20 Prozent. Zu 80 Prozent ist die WHO mittlerweile abhängig von Spenden wohlhabender Regierungen, Stiftungen und Pharma-Unternehmen. Fast alle diese Spenden sind  zweckgebunden. Allein die Spender bestimmten, wofür die WHO Geld ausgeben darf und wofür nicht. Ähnliches gelte für die Welternährungsorganisation FAO; das Welternährungsprogramm und das Kinderhilfswerk UNICEF seien mittlerweile sogar vollständig abhängig von milden Gaben.   [a.a.O.] Heute sind die USA der größte Geldgeber (gewesen?) und Bill&Melinda Gates mit ihrer Stiftung die zweitgrößten.


Im Gebäude des Weltkirchenrats in Genf, unweit der Generaldirektion der WHO. 

Quelle
Thomas Schwarz ist Initiator des Geneva Global Health Hub, eines Informationsdienstes zu Fragen internationaler Gesundheitspolitik. Schwarz erzählt aus der Geschichte der WHO, die sich im Laufe der Jahrzehnte immer mehr in Abhängigkeiten verheddert habe und immer
weniger handlungsfähig geworden sei. Aber man dürfe nie aufgeben: Wir haben ja unseren Traum: Wir möchten eine starke, unabhängige WHO, die öffentliche Gesundheit vertritt, die das Menschenrecht auf Gesundheit gegenüber kommerziellen Interessen einfach verteidigt, die an den Grundlagen der Gesundheit und an den krankmachenden Verhältnissen arbeitet und da eine starke Stimme ist, und die selbstbewusst eine Führungsrolle inne hat in diesen globalen politischen Prozessen.

Ich denke, die Zeit ist nicht da für eine Stärkung solcher Institutionen.

Es ist die Zeit der nationalen Interessen;
es ist die Zeit des Populismus und das heißt auch der einfachen, griffigen, schnellen, billigen Lösungen. Es ist immer noch die Zeit der Schwächung der Staaten, auch der finanziellen Schwächung der Staaten zu Gunsten einer stärkeren Wirtschaft. Es bräuchte wohl eine kleine Revolution, auch eine gesellschaftliche; es braucht eine wirklich ungeduldige und fordernde
Zivilgesellschaft, die sich gegenüber diesen wirtschaftlichen Partikularinteressen endlich mal deutlicher zu Wort meldet. Und ich spür das zu wenig. (a.a.O.)

Zum Beispiel Schweinegrippe 2009: 
Eine Bedrohungslage erzeugt

Quelle
So saß vor einigen Jahren in einem geheim tagenden Gremium zur Einschätzung von Epidemien die
Französin Marie Paul Kieny. Sie war Leiterin der WHO-Impfstoffabteilung und hatte zuvor für einen Impfstoffhersteller gearbeitet. Als die mit der 2009 ausgebrochenen Schweinegrippe verbundenen Gefahren beurteilt werden mussten, kam es dazu, … "dass ein kleines Gremium innerhalb der WHO diesen globalen Notstand ausgerufen hat und im Hintergrund schon die Industrien sozusagen ihre Impfstoffe produziert haben, die sie dann verkaufen konnten. Gleichzeitig ist über diese Bedrohungslage, die erzeugt worden ist durch die WHO, ein Gefühl der Angst entstanden weltweit; und Regierungen waren sozusagen gezwungen, um dieser Angst zu entsprechen, diese Lager von Präparaten anzulegen." (Thomas Gebauer a.a.O.)

Die Bundesregierung kaufte damals Impfstoffe und Grippemittel für 450 Millionen Euro. Als die von der WHO ausgerufene Pandemie dann ausblieb, mussten die Medikamente vernichtet werden. Die Pharmaindustrie aber hatte Milliarden verdient – wenngleich eine Untersuchungskommission zu dem Schluss kam, die Pharmaindushabe die WHO-Entscheidungen zur Schweinegrippe nicht beeinflusst.

Mit zwei Zungen reden?
Zum Beipsiel: Lebensmittel-Industrie (Big Food):

Margaret Chan,
von 2006 bis 2017 Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (im Mai 2012 wurde sie für eine zweite Amtsperiode bis zum 30. Juni 2017 gewählt).

"Das öffentliche Gesundheitswesen muss gegen Big Food und Big Alcohol kämpfen. Diese Industrien fürchten Regulierung und schützen sich stets mit den gleichen Mitteln. Dazu zählen Organisationen, die verdeckt Industrieinteressen fördern, Lobbying und Versprechen, sich selbst zu regulieren.
Dazu gehören auch Gerichtsprozesse gegen Kritiker sowie von der Industrie finanzierte Forschung, die wissenschaftliches Beweismaterial verdreht und in der Öffentlichkeit Zweifel sät. Außerdem versucht die Industrie, die Verantwortung für gesundheitliche Schäden dem Einzelnen aufzubürden und staatliche Regulierung als Einschränkung persönlicher Freiheit darzustellen. Hier haben wir es mit tatsächlich furchterregenden Gegnern zu tun, die Marktmacht problemlos in politische Macht verwandeln."
Chan habe geredet wie eine militante Aktivistin,
erinnert sich Thomas Gebauer: "Das ist uns allen aufgefallen, den Gesundheitsaktivisten in aller Welt, dass die Rhetorik von Margaret Chan immer sehr radikal gewesen ist;
aber in der Praxis der WHO hat das dann keine Rolle spielte." (a.a.O.) 

  • In einer WHO-Kommission, die Richtlinien für den Zucker-, Salz- und Fettgehalt menschlicher Nahrung erarbeitet, fand die Nachrichtenagentur Reuters 2012 drei Experten, die bei Big Food Geld verdienen – in zwei Fällen bei Nestlé, in einem bei Unilever.
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 Mit zwei Zungen reden.
Zum Beipsiel: Bundesregierung 2020

tagesschau.de
Stand: 15.04.2020 15:55 Uhr
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an, Deutschland werde seine Zahlungen an die WHO erhöhen.
"Die WHO muss jetzt gestärkt werden, nicht geschwächt. Inmitten der Pandemie die Mittel zu kürzen, ist der absolut falsche Weg", so Müller. Corona werde nicht die letzte Pandemie sein. "Experten haben bereits 40 weitere Viren identifiziert, die das Potenzial haben, Pandemien auszulösen." 

Der Schweizer Dr. Gaudenz Silberschmidt, Director Health and Multilateral Partnerships at World in der WHO,  zuckt mit den Schultern. 


Ständig liege er den Mitgliedstaaten in den Ohren,
  1. sie sollten die WHO endlich wieder aus ordentlichen Beiträgen finanzieren
  2. oder zumindest die freiwilligen Zuwendungen erhöhen.
Quelle
"Idealerweise würden alle Länder dreimal so viel freiwillige Beiträge wie Pflichtbeiträge geben.
  • Es gibt Länder wie Norwegen und Schweden, die geben siebenmal so viel.
  • Die USA gibt praktisch dreimal so viel;
  • die Schweiz gibt zweieinhalbmal so viel.
  • Deutschland hat begonnen, jetzt die Beiträge zu erhöhen, dass sie jetzt unterdessen ein bisschen mehr freiwillige Beiträge als Pflichtbeiträge geben.
  • Von Österreich kriegen wir ein Hundertstel so viel freiwillige Beiträge wie Pflichtbeiträge."
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Siehe auch:
Corona, Covid-19: Kontaktsperre?, häusliche Quarantäne, Versammlungsverbot ...


Donnerstag, 9. April 2020

Von Karfreitag, Jesus, Buddha und Mussolini als revolutionärer Sozialist.

Karwoche, ein Tag vor Karfreitag, zwei Tage vor Ostern 2020. Mussolini und die Religion
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Benito Amilcare Andrea Mussolini
(* 29. Juli 1883 in Dovia di Predappio, Provinz Forlì; † 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra, Provinz Como) war ein italienischer Politiker.
Er war von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien. Als Duce del Fascismo („Führer des Faschismus“) und Capo del Governo („Chef der Regierung“) stand er ab 1925 als Diktator an der Spitze des faschistischen Regimes in Italien. [Quelle: Wikipedia]


Der Vater des "Duce", Alessandro Mussolini,
war Dorfschmied und revolutionärer Sozialist; die Mutter Volsschullehrerin. Die drei Vornamen des "Duce" - Benito, Amilcare, Andrea - sollten erinnern an
Benito Juarez (Mexikanischer Revolutionär),
Amulcare Cipriani, gestorben erst 1918,
und Andrea Costa, gestorben 1910,  (beide zeitgenössische italienische Sozialisten).

Napoleon und Frankreich
galten im Hause Mussolini als beispielgebend (wegen der Revolutionen in Frankreich 1789, 1830 und 1848, Napoleon als Befreier).
Österreich und die Monarchie der Habsburger waren der Feind, konterrevolutionär und Besatzungsmacht in Teilen Italiens. Zwischen 1848 und 1870 hatten ItalienerInnen drei Unabhängigkeitskriege gegen Österreich geführt. Triest und Trient gehörten noch bis 1918 (Ende des 1. Weltkrieges)  nicht zu Italien,
Diskutiert wurde im Elternhaus des späteren faschistischen Duce über Napoleon, Marx, Bakunin und Garibaldi, Giuseppe Garibaldi (gestorben 1882,  italienischer Guerillakämpfer der italienischen Einigungsbewegung zwischen 1820 und 1870).
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Benito Amilcare Andrea Mussolini, der künftige Duce,
trat in die Fußstapfen der Eltern, er wurde Lehrer, wie die Mutter, und revolutionärer Sozialist - wie der Vater. Mit 19 ging er in die Schweiz und bestätigte sich dort als revolutionär-sozialistischer Agitator. Er hörte Jean Jaures (französischer Sozialist, ermordet 1914)  und August Bebel (begründer der duetschen Sozialdemokratie, gestorben 1913 in der Schweiz), lernte dort vielleicht Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht kennen, vor allen Dingen hatte er engen Kontakt zu Angelica Balabanoff (Anschelika Issaakowna Balabanowa; * 8. Mai 1869 in Tschernigow; † 25. November 1965 in Rom).
Quelle
Angelica Balabanoff (1869-1965) studierte in Brüssel, wo sie kommunistische Ideen kennenlernte. [...] Sie zog nach Rom und begann eingewanderte Arbeiter der Textilindustrie zu organisieren. Sie wurde Vorsitzende der Partito Socialista Italiano (PSI) und stand in engem Kontakt mit der russischen Revolutionsbewegung und war auch Wegbegleiterin von Mussolini, der Chefredakteur der sozialistischen Zeitung Avanti war.
Als dieser [Mussolini] sich zum Kriegshetzer entwickelte, wandte sie sich noch vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges von ihm ab.
Balabanoff arbeitete im Exekutiv-Komitee der sozialistischen Frauen-Union mit und organisierte zusammen mit Clara Zetkin Frauen-Kongresse. Während des Ersten Weltkrieges rückte sie innerhalb der Arbeiterbewegung nach links und beteiligte sich an der Zimmerwalder Konferenz.
Nach der Russischen Revolution zog sie nach Russland und arbeitete 1919 als Sekretärin der Kommunistischen Internationalen. Sie wurde zur Kritikerin der Bolschewiki und kehrte nach Italien zurück. Aufgrund des zunehmenden Einflusses des Faschismus in Italien ging sie ins Exil in die Schweiz, wo sie 1928 Paris Avanti! herausgab.

[Quelle]
Mussolini
gründete in Genf eine Genossenschaft, unterstützte Arbeiter-Streiks und wurde schließlich wegen seiner revolutionären Tätigkeit aus der Schweiz ausgewiesen. Zurück in Italien legte er mit 24 dann seine Prüfung als Französisch-Lehrer ab. ...

138 Seiten, Verlag für Gesellschaftskritik, 1985
Jesus, Buddha, Mussolini

Im April 1904, kurz vor seinem 21. Geburtstag, Mussolini ist noch in der Schweiz, in die er als 19-Jähriger gekommen war (um dem Wehrdienst in Italien zu entgehen).
Er versteht sich als "revolutionärer Sozialist", wie sein Vater, und ausdrücklich nicht als Anrachist, für den ihn viele wegen seines Charakters halten: Er gilt als "ein besonderer Fall", begabt, intelligent, rauflustig, rachsüchtig, "ein brutaler Knabe". Er selber rühmt sich später in seinen Erinnerungen mehrmals seiner skrupellosten Brutalität. "Die Linken innerhalb der Sozialistischen Partei Italiens waren von ihm begeister, den Reformisten ging er auf die Nerven." (a.a.O. S. XV)." In Genf, wo er die meiste Zeit in der Uni-Biblothek verbracht hatte, schickte er eine Ansichtskarte an den Präsidenten der Kantonspolizei, unterschrieben mit dem Zusatz "revolutionärer Sozialist". (a.a.O. S.3)
Im April 1904, war Mussolini in Genf, wo er einem Vortrag des belgischen Sozialistenführers Emile Vandervelde über das Thema
„Jesus Christus als Sklavenbefreier und Vorläufer des Sozialismus"
beiwohnte.
Dabei kam es zu einem denkwürdigen Zwischenfall.
Mussolini, der sich vorher mit Nietzsche befaßt hatte, meldete sich zu Wort und ritt eine scharfe Attacke gegen Jesus Christus und das Evangelium, die „den Zusammenbruch des prächtigen römischen Imperiums durch das Aufkommen der Sklavenmoral" verschuldet hätten.
Zugleich rühmte er Buddha, der „mit 40 Jahren Meditationen" weitaus mehr geleistet habe als Jesus.
Vandervelde erwiderte in seinem Schlußwort Ironisch: „Der cher camarade (Mussolini, Anm. d.Verf.) scheint vergessen zu haben, daß Jesus Christus im 33. Lebensjahr seine revolutionäre Laufbahn durch einen Berufsunfall beenden mußte." Mussolini quittierte seine Blamage mit grimmigem Schwelgen, verzichtete aber nicht auf weitere antireligiöse Demonstrationen. (a.a.O. S.2)
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Wegen seiner politischen Tätigkeit wurde Mussolini aus der Schweiz ausgewiesen.
"Ich bin und bleibe Sozialist: Zwölf Jahre meines Lebens in der Partei [PSI] sind Gewähr dafür und müssen Gewähr dafür sein. Man kann seine Seele nicht ungestalten. [...] Es lebe der Sozialismus, es lebe die Revolution!"
(Mussolini, Parteivorstandsmitglied und Chefredaktuer des Zentralorgans der PSI,
  • anlässlich seines Parteiausschlusses am 24. November 1914.
  • Er ist 27 Jahre alt,
  • am 15. November 1914 hatte er die Partei "Popolo d`Italia" gegründet - mit finanzieller Unterstützung der italienischen Regierung, einiger Industrieller und ausländischer Diplomaten.
  • 1919 gehörte er zu den Gründern der radikal nationalistischen und antisozialistischen faschistischen Bewegung, als deren „Führer“ (Duce) er sich bis 1921 etablierte.